Kapitel I. Sismondi und die Ursprünge der kritischen Schule.
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überzeugt, daß man in schwerwiegende lrrtümer verfallen ist, weil man
stets alles verallgemeinern wollte, was mit den sozialen Wissenschaften
in Verbindung steht“ 1 ).
Diese Kritik richtet sich nicht allein gegen Ricardo und Mac Culloch,
sondern auch gegen J.-B. Say selbst, der sich bemüht hatte, die National
ökonomie auf die Darlegung einiger allgemeiner Grundsätze zurückzu-
führen. Sie bereitet die Auffassung vor, die die deutsche historische Schule
späterhin sich rühmte, als die erste vertreten zu haben. Sismondi, der
Reibst Historiker war und sich als Schriftsteller hauptsächlich mit dring
lichen Reformen beschäftigte, konnte nicht anders, als die Wirkung, die
nie sozialen Einrichtungen und die Politik auf den wirtschaftlichen Wolil-
^ a nd haben, hervorzuheben. Er gibt z. B. eine gute Anwendung seiner
Methode, wenn er in der Untersuchung über den wahrscheinlichen Einfluß,
ncn eine vollständige Abschaffung der „Corn-Laws“ in England haben
''cide, darauf hinweist, daß die Frage nicht durch einige theoretische
Begründungen gelöst werden könne, und daß die verschiedenen Arten
Und Weisen der Bewirtschaftung des Bodens in Rechnung gezogen werden
Müssen. Ein Land der Pächter wie England setzt sich der Gefahr aus, nur
schwer der Konkurrenz solcher Länder, die mit Frondiensten arbeiten,
Mderstehen zu können, wie z. B. Polen oder Rußland, wo das Getreide
, em Besitzer nur „einige hundert unter die Bauern zu verteilende Stock
hiebe“ kostet 2 ).
• Bie Vorstellung Sismondi’s über die nationalökonomische Methode
st zweifellos stets richtig, wenn es sich darum handelt, praktische Fragen
Versuchen, die zukünftigen Folgen einer gesetzgeberischen Reform
ctauszusehen oder die Ursachen besonderer Ereignisse klar zu legen;
enn es sich aber darum handelt, sich den allgemeinen Mechanismus der
jrtschaftlichen Welt vorzustellen, kann der Volkswirtschaftler nicht ohne
Fraktionen auskommen, und Sismondi selbst hat darauf zurückgreifen
’tssen. Allerdings hat er das mit einem eigentümlichen Ungeschick
g® an, und sein Mangel an Erfolg in der Konstruktion und der Diskussion
Frakter Theorien mag wohl die Ursache seiner Vorliebe für die entgegen
setzte Methode sein. Auf jeden Fall erklärt sie uns teilweise den lebhaften
bet er F )ruc 'h’ den sein Buch unt^r den Anhängern der „volkswirtschaft-
pV en Orthodoxie“ erregte, eine Bezeichnung, die von ihm stammt (Neue
und die starken Anklang fand.
erste \^ tudes sur l’ßconomie politique, Vorwort S. V. Schon in seinem
giünrt t La richesse commerciale hatte er gesagt: „Die Volkswirtschaft
d (;s j, e s ' c h auf das Studium des Menschen und der Menschen. Man muß die Natur
d Mu; 7 SCllen kenil en, den Zustand und das Schicksal der Gesellschaften zu verschie-
Z i e lJ’ ^ el ten und an verschiedenen Orten, man muß Historiker, Reisende usw. zu Rate
" E ] ’ne solche Untersuchung ... ist die Philosophie der Geschichte und der
(h S. 14ff.).
) Nouv. Princ., I, S. 257.