fullscreen: Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung (E,1.1902)

Bildende Kunst. 
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der Tritone und Nereiden und Nymphen und Najaden; Diana 
jagt auf Gefilden, die von Kentauren und Faunen bevölkert 
sind, und Pan flötet um die heiße Stunde des Mittags. 
Wer aber will immer unterscheiden, ob diese Wasserfrauen 
deutsche Meerweibchen sind oder klassische Nymphen? Und 
spielt diese Welt neben der Lyra nicht die Harfe? wird neben 
der Tritonsmuschel nicht die Laute gehört? Den antiken 
Figuren treten solche der deutschen Sage zur Seite, aber auch 
Personen der biblischen Überlieferung und des Gestaltenkreises 
der Renaissance, vor allem aus dem Lieblingsbuche Böcklins, 
Ariosts „Kasendem Roland“ — ja selbst moderne Menschen, 
Sonntagskinder natürlich, junge Mädchen, Hochzeitsreisende, 
mischen sich in den unbewußt, triebartig, enthusiastisch mit 
der Natur fühlenden Chor. Denn in einem pantheistischen 
Gefühl sind sie alle eins, — und von ihm beseelt erhalten sie 
auch im Grunde einerlei Wesen. Sie haben eine diesem Gefühl 
entsprechende Gebärde, Muskelausstattung, ja ein ihm notwendig 
konformes Skelett: sie sind nur der fernen Abstammung nach 
noch antik oder germanisch oder christlich oder aus dem Heiden— 
land der Renaissance: in Wirklichkeit haben sie das pantheistische 
Naturgefühl des 19. Jahrhunderts zum Vater und zur Mutter 
die Böcklinsche Phantasie. 
Aber diese bunte Gesellschaft trieb den Meister weiter. 
Bedurfte sie nicht einer ihr nun noch mehr angemessenen, ihren 
jauchzenden, trauernden, schwärmerischen, lärmenden Instinkten 
gänzlich angepaßten Welt? Die Jahre 1878 bis 1887 bringen 
die Sonnenhöhe der Kunst des Meisters, — hatte er sich am 
Schluß der vorhergehenden Periode mit dem fiedelnden Tod 
zur Seite porträtiert, so steht am Schlusse dieser Veriode 
das Selbsthildnis mit dem Lorbeerzweige. 
Vor allem handelte es sich da um die Landschaft: wie war sie 
plastisch zu gestalten, wie die Form im besonders betonten Sinne, 
wie der Umriß zu gewinnen, ohne sie den gewaltigen Wirkungen 
des Lichtes und der Farbe zu entziehen? Lange hat Böcklin hier 
hin und her versucht; und es gehört zu den reizvollsten Aufgaben 
geschichtlicher Forschung auf dem Gebiete jüngster Vergangen—
	        
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