Full text : Vergangenheit und Zukunft der Sozialwissenschaften

„soll“.  Die  Ethik  bleibt  als  ein  Teil  der  Metaphysik,
als  eine  philosophische  Deutung  der  ethischen  Tatsachen ­
  bestehen,  wenngleich  die  letztern  auch  Gegenstand ­
  wissenschaftlicher  Untersuchung  werden,  ganz
so,  wie  die  Eeligion  dadurch  nicht  berührt  wird,  daß
die  religiösen  Tatsachen  wissenschaftlich  analysiert
werden.  Das  verkannte,  man  damals  und  das  verkennt
man  zum  Teil  noch  heute.  Daher  stammt  ja  die  Feindseligkeit ­
  gegen  diese  Wissenschaften  und  die  stete
Lust  des  Philosophen,  ein  Ephorat  über  sie  auszuüben.
Und  damals  war  die  Differenzierung  zwischen  beiden
Problemreihen  erst  in  den  Anfängen,  und  dicht  nebenund
  durcheinander  finden  wir  die  Elemente  von  ethischen ­
  Philosophien  und  ethischen  Wissenschaften.
So  wenden  Freund  und  Feind  oft  Argumente  gegen
beide  an,  die  nur  für  die  einen  Sinn  haben,  und  so  entsteht ­
  die  Konfusion,  in  der  schließlich  den  Leistungen
jener  Zeit  gleichzeitig  basenlose  Spekulation  und  brutaler ­
  Empirismus  vorgeworfen  wird.
Das  aber  erklärt  es  nur  zum  Teil,  daß  die  von  damals ­
  auch  stets,  oder  fast  stets  —  denn  die  Strömung,
aus  der  Kants  Vernunftkritik  erwuchs,  hatte  schon
im  17.  Jahrhundert  eingesetzt  —  einen  Moralkodex
aus  ihrer  Moraltheorie  gewinnen  wollten  und  zwar
einen,  der  für  alle  Zeiten  und  Orte  gelten  und  an  dem
alle  empirisch  gegebenen  Moralkodices  zu  messen
sein  sollten.  Das  wollten  sie  nicht  bloß  in  ihrer  Eigenschaft ­
  als  Moral  Philosophen,  eine  Funktion,  die
sie  allerdings  fast  immer  ausübten,  sozusagen  im
Nebenamte,  sondern  auch  aus  einem  anderen  Grund,
den  ich  schon  angedeutet  habe.  Die  Zeit  fragte  vor
            
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