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— ja schlimmer wie nichts — geleistet sei, und daß
man von allem Anfang anfangen müsse. Daher sah
er sich denn nach Material um, nach historischem,
ethnologischem usw. und begann — auf schmälster
Basis — herzhaft darauf los zu generalisieren. Welche
Tragikomödie: Derselbe Mann, der kraftvoller als
jeder andere, die Botschaft des naturwissenschaft
lichen Gesetzes predigte, verwarf gerade jene Me
thoden — der Abstraktion, Isolierung usw. — die in
der Naturwissenschaft die größten Erfolge errungen
hatten und die er selbst gerade wieder vorgetragen
hatte für das Gebiet der Sozialwissenschaft: Der
selbe Mann, der positives Tatsachenstudium forderte,
erging sich in Betrachtungen über Ziele der Mensch
heit, über eine „Entwicklung der Menschheit“, die
eine Metaphysik in optima forma war! Aber er
wirkte, und viele haben sich auf ihn berufen, die dem
wahren Geist seines Werkes feindlich gegenüber
standen.
Als drittes Beispiel will ich eine ganze Richtung
wählen: die Richtung, die man „historische Schule“
nennt. Sie steht zwischen den beiden eben erwähnten
und hat Fühlung mit beiden. Denn einerseits — hat
sie nicht ebenfalls, wie die Romantiker, gegen die
Kahlheit und Banalität theoretischer Analyse ge
donnert, den Volksgeist und die Einheit der Persön
lichkeit auf den Schild erhoben und philosophischem
Erschauen seinen Platz vindiziert ? Andrerseits aber
— hat sie nicht „exakte Tatsachenforschung“ als ihr
Prinzip verkündet gegenüber „nebelhafter Spekula
tion“ ? Beides verträgt sich nicht gut miteinander und