Full text : Mietausfall, Zinsrückstand und Fällig werden von Pfandlasten in Mannheim während der ersten acht Kriegsmonate

1.  Anlaß  und  Durchführung  der  Arbeit.

Daß  der  städtische  Hausbesitz  durch  die  zum  Schutz  der
Kriegsteilnehmer  und  der  Mieter  überhaupt  sofort  nach  Kriegsausbruch ­
  erlassenen  Gesetze  und  Verordnungen  vielfach  in  eine
mißliche  Lage  geraten  ist,  wird  von  keiner  Seite  bestritten.
Eingekeilt  zwischen  den  Mieter,  der  seinen  Hauszins  schuldig
bleibt  und  der  Hypothekengläubiger,  der  auf  seinem  Schein
besteht,  si,eht  er  sich  in  seiner  Existenz  bedroht  und  ist  nach
einem  rasch  beliebt  gewordenen  Gleichnis  zwischen  zwei  Mühlsteine ­
  geraten.  Es  ist  nicht  unseres  Amtes,  die  Anstrengungen
zu  schildern,  die  seine  Interessenvertretungen  gemacht  haben,
um  ihn  aus  dieser  Notlage  zu  befreien,  oder  die  Bestrebungen  der
Gesetzgebung,  der  Gemeindeverwaltung,  der  Organe  der  Kriegsfürsorge ­
  und  anderer  Instanzen  zu  erörtern,  die  jene  wenigstens
zu  erleichtern  suchten.  Eine  schon  zu  ansehnlicher  Höhe  angeschwollene ­
  Literatur  hat  sich  dieser  Aufgabe  unterzogen,
hat  darüber  hinaus  auch  das  Für  und  Wider  eines  öffentlichen
Eingreifens  zugunsten  des  bedrängten  Hausbesitzes  im  Hinblick
auf  den  herrschenden  Kriegszustand  und  in  seiner  über  diesen
in  künftige  Friedenszeiten  hinausragenden  Bedeutung  gründlich
durchgesprochen.  Mit  recht  verschiedenartigem  Ergebnis  freilich. ­
  Denn  so  wenig  der  Tatbestand  als  solcher,  quantitative
Unterschiede  der  Einschätzung  Vorbehalten,  Anlaß  zu  Meinungsverschiedenheiten ­
  bot,  —  die  Anschauungen  über  das  Ob  und
Wie  des  Eingreifens  gingen  darum  doch  weit  genug  auseinander.
Immerhin  will  uns  scheinen,  als  ob  die  extremen  Standpunkte
der  ersten  Kriegsmonate,  mögen  sie  in  der  Theorie  vielleicht
auch  noch  aufrechterhalten  werden,  ip  der  Praxis  zugunsten  einer
Politik  der  mittleren  Linie  aufgegeben  worden  sind.  Die  ethischen ­
  Kraftsprüche  über  wirtschaftlichen  Wert  oder  Unwert
von  Hausbesitz  und  Realkredit  in  ihrer  heutigen  Verfassung
klingen  gedämpfter;  die  Kleinarbeit  mit  ihrer  Sorge  beherrscht
zum  mindesten  dem  äußeren  Anschein  nach  die  Stunde.
Auch  in  Mannheim  hat  diese  Kleinarbeit  schon  bald  nach
Kriegsausbruch  einsetzen  müssen.  Zunächst  in  Gestalt  der  Gewährung ­
  von  Mietzuschüssen.  Denn  wenn  der  Hypothekenmühlstein ­
  auch  der  größere  ist,  so  hat  sich  der  Hauszinsmühlstein
um  so  rascher  zu  drehen  begonnen,  oder  ohne  Gleichnis  gesprochen: ­
  Mietzinsausfälle  brachte  gleich  der  August  1914  in
großer  Menge,  während  der  nächste  Zinszahlungstermin  für
die  Pfandlasten  erst  am  1.  Oktober  bevorstand  und  diese
selbst  auch  nur  ausnahmsweise  vorher  fällig  wurden.  Als  daher
            
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