Full text : Wirtschaftspolitisches Handbuch von Rumänien

Entwicklung  in  den  Donaufürstentümern  123

mit  Goldstücken  gepflastert  werden.  Reiche  Geschenke  an  den  Sultan
und  an  die  Sultanin-Valide,  sowie  die  Zahlung  großer  Bestechungssummen ­
  an  die  kaiserlichen  Funktionäre  vom  Eroßwesir  an  bis
zu  den  Türstehern  der  Pforte  hinab  waren  unerläßlich  zu
ihrer  Erlangung.  An  die  Stelle  des  Kampfes  um  den  Thron  trat
schon  im  Laufe  des  16.  Jahrhunderts  die  Lizitation.  Die  große
Schar  der  Thronbewerber  überbot  sich  in  Erhöhungen  des  Tributs
und  in  der  Darreichung  von  Gold,  Geschmeide  und  kostbarem  Pelzwerk.
  Und  diese  Opfer  mußten  nicht  bloß  für  die  Erwerbung,  sondern ­
  auch  für  die  Erhaltung  des  Thrones  gebracht  werden.  Um
nämlich  die  aus  der  Besetzung  des  walachischen  und  moldauischen
Fürstenstuhles  fließende  Einnahmequelle  noch  reichlicher  zu  machen,
führten  die  Türken  die  Sitte  der  Erneuerung  der  Bestallung  nach
je  drei  Jahren  ein.  Sie  war  mit  denselben  Taren  verbunden,  wie
die  Bestallung  und  die  Weiterbelassung  im  Falle  etwaiger  Beschwerden ­
  einzelner  Bojaren  und  der  nie  rastenden,  ebenfalls  mit
viel  Geld  unterstützten  Bemühungen  anderer  Thronbewerber.
Die  Schröpfungen  nahmen  kein  Ende.  Zur  Befriedigung  der  unersättlichen ­
  Türken  reichten  die  Barmittel  der  Prätendenten  in  der
Regel  nicht  aus.  Sie  mußten  daher  Geld  aufnehmen,  und  Geld
fanden  sie  nur  bei  den  großen  griechischen  Kaufleuten  des  Konstantinopoler
  Viertels  Fanar.  Die  Fanarioten  gaben  es  gerne
gegen  die  Verpflichtung  zur  Zahlung  einer  größeren,  meist  der
fünffachen  Summe.  Hierdurch  wurden  sie  am  Erfolge  der  Bewerbung ­
  interessiert,  von  welchem  allein  die  Rückerstattung  der  Schuld
zu  gewärtigen  war,  und  dieses  Interesse  erwies  sich  als  außerordentlich ­
  vorteilhaft  für  den  Bewerber.  Denn  die  griechischen  Großkaufleute ­
  kannten  alle  Wege  und  erfreuten  sich  des  größten  Einflusses ­
  bei  der  Pforte.  Durch  ihre  Handelsbeziehungen  hatten  sie
sich  nämlich  die  Kenntnis  fremder  Sprachen  und  namentlich  des
Französischen  angeeignet,  und  die  sprachunkundigen  Türken  waren
daher,  als  sie  mit  den  westeuropäischen  Staaten  in  diplomatische
Berührung  traten,  auf  die  Fanarioten  geradezu  angewiesen.
Formell  fungierte  der  Grieche  als  „Dragoman",  als  Dolmetsch;  in
Wirklichkeit  war  er  der  faktische  Minister  des  Äußeren  und  bei  der
Pforte  nahezu  allmächtig.  Seine  Protektion  gewährleistete  in  demselben ­
  Grade  den  Erfolg,  wie  die  Bestechung.  Nachdem  diese  beiden
Umstände  für  die  Fürstenernennung  entscheidend  geworden  waren,
verlor  die  Bedingung,  daß  der  Prätendent  Fürstensohn  sein  müsse,
ihre  Bedeutung.  Es  wurden  vom  17.  Jahrhunderte  an  auch  Bewerber, ­
  die  diese  Eigenschaft  nicht  besaßen,  ernannt,  wenn  sie  nur
genügend  Geld  und  Protektion  hatten.  Bald  kamen  die  Protektoren
zur  Erkenntnis,  daß  sie  ihren  Einfluß  ebenso  gut,  wie  für  Dritte,  auch
            
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