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Entwicklung in den Donaufürstentümern 127
zugrunde gegangen waren, in ihr Schicksal und suchten den Rest ihrer
ehemaligen Herrlichkeit durch Verschwägerungen mit den mächtigen
Emporkömmlingen zu retten. Zahlreiche Heiraten zwischen den
übriggebliebenen, immer mehr dahinschwindenden Bojarenfamilien
und jenen der griechischen Eindringlinge verschnwlzen endlich diese
beiden Elemente zu einem einheitlichen Ganzen mit ausgesprochen
levantinischem Charakter. Über den letzteren äußerte sich der in
russischen Diensten stehende französische General Graf Langeron
aus eigener Wahrnehmung folgendermaßen: „Die Verkommenheit
der in den Donaufürstentümern herrschenden Klassen spottet jeder
Beschreibung. Das Übermaß ihrer Unmoralität und ihrer Schand
taten ist ebenso ungeheuerlich, als abstoßend. Unter dem Einflüsse
der Griechen aus dem Fanar, von denen eine Menge sich in den
Fürstentümern aufhält, haben sich viele der dortigen Bojaren niedrige
Gesinnung, Habgier, Grausamkeit und Kriecherei den Türken
gegenüber zu eigen gemacht. Für sie gelten Ordnung, Gerechtigkeit,
Ehre und Anstand nicht mehr. Alle Ämter sind käuflich und ver
leihen das Recht, jedwedes Verbrechen straflos zu begehen. Jedes
Amt bereichert in kürzester Zeit den Inhaber, muß aber nach einem
Jahre einem neuen Ausbeuter überlassen werden. Der Abtretende
begibt sich sofort in die Hauptstadt und vergeudet dort durch einen
ebenso übertriebenen, als geschmacklosen Aufwand die Frucht seiner
Räubereien, bis er nach zwei Jahren ein neues Amt kauft und fein
Treiben vom frischen beginnt. In diesem viroulus vioiosus bewegt
sich das Leben der Bojaren. Ihre Unterschleife, Räubereien und
Grausamkeiten sind weder geheim, noch werden sie irgendwie ver
hüllt; offen und am hellichten Tage werden sie begangen. Das Land
ist in Bezirke eingeteilt, die von einem ebenso wie in Rußland
„isxravnicr" genannten Beamten verwaltet werden. Für diese
Ämter wird je nach ihrer Einträglichkeit eine größere oder geringere
Tare entrichtet. Die Jspravnics nun sind schrankenlose Despoten,
die sich vor keiner Verantwortung scheuen, weil sie wissen, daß sie
ihr stets durch die Bestechung ihrer Vorgesetzten zu entgehen ver
mögen. Sie nehmen schamlos und öffentlich von jedem Bauern,
was sie erraffen können: Geld, Schmuck und Vieh. Jede Familie
muß dem Fürsten eine bestimmte Kopfsteuer zahlen. Der Jspravnic
verdoppelt, vervierfacht, verzehnfacht sie wider alles Recht und teilt
den Ertrag mit den Mitgliedern des fürstlichen Diwans. Wenn
der Bauer es wagt, sich diesen unmenschlichen Erpressungen zu
widersetzen oder über sie Klage zu führen, wird er eingesperrt, ge
schlagen, gemartert, oder muß zusehen, wie vor seinen Augen Frau
und Kinder einer raffinierten Tortur unterzogen werden. Der
geringste Jspravnic-Posten bringt 7000—8000 Dukaten irrt Jahre