Gewerbe und Industrie
25
Die Industrie ist noch nicht auf der Höhe. Trotz aller Be
mühungen, die schon im 17. und 18. Jahrhunderte, insbesondere
aber im 19, Jahrhunderte aufgewendet wurden, hat der Mangel
an Kohle und Eisen die Entwicklung einer großen Industrie, die
für die Bevölkerung eine neue nahmhafte Erwerbsquelle etöffneir
würde, bisher verhindert. Um sie künstlich zu fördern, hat der Staat
die Tabak-, Zündhölzchen- und Spielkartenfabrikation in die eigene
Hand genommen.
Mit Tabak wurden 1911 von 25962 Landwirten 9992 da mit
einem Ertrage von 9323874 kg im Verkaufswerte von 6719056 Lei
bebaut. Die Verarbeitung dieses Rohmaterials ergab 6056968 kg
Rauchtabak, 19607 kg Schnupftabak, 11935134 Stück Zigarren und
370845629 Stück Zigaretten im Gesamtgewichte von 5495161 kg.
Der Erlös aus dem Tabakverkauf betrug 50036130 Lei, der
Reingewinn 32998174 Lei.
An Zündhölzchen wurden 1910 insgesamt 57336526 Schach
teln verschiedener Größe und Qualität im Werte von 3164522 Lei,
an Spielkarten 196996 Spiele im Erstehungswerte von 672088 Lei
erzeugt. Der Reingewinn aus beiden Unternehmungen stellte sich
auf 1932171 Lei.
Ferner wandte der Staat der Privatindustrie durch das
Gesetz vom 21. April 1887 eine Reihe von Begünstigungen zu. Fabri
ken, welche mit einem Mindestkapital von 50000 Lei ins Leben ge
rufen werden und wenigstens 25 Arbeiter beschäftigen, erhalten
1—5 ha Baugrund zu unentgeltlicher Benutzung durch 90 Jahre
und für 15 Jahre die Befreiung von allen Staats-, Kreis- und Ee-
meindeabgaben, sowie von den Zollgebühren für die eingeführten
Maschinen, Maschinenbestandteile und Rohstoffe. Sie genießen
weitgehende Tarifbegünstigungen für den Transport der Rohstoffe
sowohl als auch der Fabrikate. Die Zölle für die wieder ausge
führten Stoffe werden rückersetzt, und die inländischen Fabriken bei
allen öffentlichen Lieferungen vorgezogen. Auf diese Weise wurden
vom Jahre 1887 bis 1911 insgesamt 769 industrielle Betriebe und
zwar 330 Bau-, 143 Tertil-und 158 Nahrungsmittelunternehmungen,
sowie 41 Papier- und Zellulose-Fabriken, 95 chemische und 2 elek
trotechnische Anstalten gefördert. Von ihnen sind jene, welche land
wirtschaftliche Produkte verarbeiten, wie die Sägewerke, die Mühlen,
die Zuckerfabriken, die Brennereien und die Brauereien derart
erstarkt, daß sie nicht bloß den rumänischen Markt vom Auslande
unabhängig gemacht haben, sondern auch Millionenwerte exportieren.
Dagegen behaupten sich die errichteten Papier-, Glas-, Kerzen-
und Tuchfabriken nur mühsam, andere Industrien sind sogar ein
gegangen. So bestanden von den 769 vom Staate geförderten