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Wirtschaftliche Verhältnisse
wurde. Der Umladung auf die neue Bahn standen zwar anfangs
mannigfache Schwierigkeiten entgegen; doch gestalteten sich die
Verhältnisse allmählich sehr zugunsten dieser Linie. In den
Handel mit Zerealien, die allein 80 % der rumänischen Ausfuhr
bilden, und mit Petroleum greift nämlich die Weltmarktfrage in
entscheidender Weise ein. Beide Arten von Waren müssen sich
heute den Preis gefallen lassen, den London, Neuyork und Rotter
dam miteinander festsetzen, und der viel mehr von dem Ausfalle
der Ernte in Amerika, in Rußland und in Argentinien, als von jener
in Rumänien abhängt. Bei dieser Abhängigkeit der Preisgestaltung
von der Lage des Weltmarktes fallen die Losten des Transportes
immer mehr in die Wagschale. Zu Lande ist der Transport stets
teurer und schwieriger; von selbst tritt daher der Seetransport in
den Vordergrund, und demgemäß hat Rumänien, insbesondere seit
dem es 1877 die Dobrudscha erworben hatte, durch den Bau einer
Eisenbahnbrücke über die Donau und die Herstellung kostspieliger
Stapelplätze und Ladegelegenheiten alles getan, um die Ausfuhr
seiner Zerealien und Erdölprodukte über die Linie Cernavoda-
Constanta auf die See zu lenken. Wird doch hierdurch die Fracht
rate beispielsweise nach Hamburg auf 11 bis 12 sh pro t herabge
drückt, während der Satz für die Fracht zu Lande ungleich höher zu
stehen kommt. Dieser Umstand hat den rumänischen Eetreide-
erport mächtig gefördert. Von rund 568000, t im Jahre 1866 ist
er schon 1890 auf 2000000 t und 1911 gar auf 3850000 t gestiegen.
Im Durchschnitt ist seit 1890 über die Hälfte des Gesamtertrages
an,Zerealien in das Ausland gegangen. Der Export geht so weit,
daß Rumänien trotz seiner wachsenden Eetreideerzeugung im Ver
hältnis zu seiner Menschenzahl immer weniger von diesem wichtig
sten Ernährungsmittel für sich behält und mit Unterernährung im
Lande zu kämpfen hat. So war 1894 die Ernte schlecht. Das
Land behielt aber nur 120000 t oder 7,5 % der Ernte zum eige
nen Gebrauche zurück, obwohl keine besonderen Vorräte aus
früheren Jahren vorhanden waren. Ebenso wurden 1907, im
Jahre der letzten Bauernrevolte nur 9% der Ernte im Lande ver
braucht.
Diese Forzierung des Erports hat ihren Grund in der aus
wärtigen Verschuldung Rumäniens. Um nämlich das Land wirt
schaftlich und kulturell zu entwickeln, mußten in größtem Maßstabe
Gelder aus dem Auslande herangezogen werden. Die Summen,
die für die Verzinsung und Amortisation dieser Anleihen jährlich
ins Ausland abfließen, sind im Verhältnis zum Gesamteinkommen
und den finanziellen Hilfsquellen Rumäniens so bedeutend, daß
schon eine kurze Unterbrechung der Ausfuhr das Land in die schwerste