Full text: Wirtschaftspolitisches Handbuch von Rumänien

Kirche 
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IV. Die kulturellen Verhältnisse 
1. Kirche 
Die Rumänen empfingen das Christentum in lateinischer 
Form, weil in der rumänischen Sprache alle wesentlichen Momente 
des Glaubens und des Ritus mit Worten lateinischen Ursprungs 
bezeichnet werden (Ouwnszou— ckowiuu8 ckeus, oruos — mix, bise- 
rica= basilica, botezare= baptizare, comunicare=communicare, 
sänt=sanctus, altar=altare, pagän=paganus, cre§tin=cristianus 
usw.)*) Sie unterstanden ursprünglich dem römischen Patriarchate 
durch die Vermittlung des syrmischen Bistums. Erst 451 kamen 
sie auf Grund der Beschlüsse der Synode von Chalcedon unter die 
Jurisdiktion des Konstantinopeler Patriarchats. AIs im Jahre 1054 
die römische und die griechische Kirche sich voneinander trennten, 
blieben die Rumänen infolge ihrer geographischen Lage bei der 
griechischen Kirche und teilten fortan deren weitere Schicksale. Eine 
größere Selbständigkeit in kirchlicher Beziehung erlangten sie erst 
nach dem Entstehen der Donaufürstentümer durch die 1369, be 
ziehungsweise 1401, erfolgte Errichtung je einer eigenen Metropolie 
für die Walachei und die Moldau. Die erstere hatte ihren Sitz 
anfangs in Tärgoviyte, in der Folge aber, seit die fürstliche Residenz 
1665 nach Bukarest verlegt wurde, bis auf die Gegenwart in dieser 
Stadt, die letztere anfangs in Akkerman, dann in Suceava und seit 
1564 bis heute in Jassy. Als gelegentlich des Florenzer Konzils 
1439 der Patriarch von Konstantinopel sich der römischen Kirche 
anschloß, lockerten die beiden rumänischen Metropoliten ihre Be 
ziehungen zu Konstantinopel und traten in Verbindung mit dem 
bulgarischen Erarchat zu Ochrida. Die Folge war die Einführung 
der slavischen Sprache in den Dienst der rumänischen Kirche. Erst 
als nach dem Niedergänge der bulgarischen Kirche sich in Rumänien 
keine der slavischen Sprache kundigen Priester mehr fanden, ließen 
die rumänischen Fürsten Matei Basarab in der Walachei und Vasile 
Lupu in der Moldau um die Mitte des siebzehnten Jahrhunderts 
fast gleichzeitig die Kirchenbücher ins Rumänische übertragen und 
führten auf diese Weise die rumänische Sprache in den Kirchendienst 
ein**). Sie blieb fortan bis auf die Gegenwart in Geltung, obwohl 
dem slavischen Einflüsse in den rumänischen Kirchen fast unmittel 
bar der griechische folgte. Seitdem nämlich die rumänischen Fürsten 
an die Pforte so bedeutende Geldsummen leisten mußten, daß sie 
*) Jorga, Geschichte des rumänischen Volkes, S. 43. 
**) jEcnopol, Ietoria Romänilor, V. S. 93 ff.
	        
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