Full text : Fortschritt und Armut

Kap.  II.

Folgerungen  aus  Tatsachen.

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schafft  und  Symptome  dichterer  Bevölkerungen  und  vorgeschrittenerer
Zivilisationen  enthüllt,  als  zuvor  vermutet  wurden,  sowie  auch  eines
viel  höheren  Alters  des  Menschengeschlechts.  während  wir  unsere
Bevölkerungsschätzungen  auf  die  Entwicklung  des  Handels,  den  Fortschritt ­
  der  Künste  und  die  Größe  der  Städte  gründen,  unterschätzen
wir  gern  die  Dichtigkeit  der  Bevölkerung,  welche  die  den  früheren  Zivilisationen ­
  eigentümliche  intensive  Bodenkultur  zu  unterhalten  imstande
ist,  besonders  wo  man  zu  künstlicher  Bewässerung  griff,  wie  wir  an  den
dicht  bebauten  Gegenden  Lhinas  und  Europas  sehen  können,  vermag
eine  sehr  große  Bevölkerung  von  einfachen  Gewohnheiten  bei  sehr
wenig  Verkehr  und  einem  viel  niedrigeren  Stande  jener  Gewerbe  zu
bestehen,  in  denen  der  moderne  Fortschritt  sich  am  meisten  spiegelt,
und  zwar  ohne  die,  den  modernen  Völkern  eigentümliche  Tendenz,
sich  in  großen  Städten  zusammenzudrängen*).
Sei  dem  nun  wie  ihm  wolle,  der  einzige  Erdteil,  von  dem  wir
überzeugt  sein  können,  daß  er  jetzt  eine  größere  Bevölkerung  enthält
als  je  zuvor,  ist  Europa.  Aber  selbst  für  alle  Teile  Europas  ist  dies  nicht
richtig.  Sicherlich  haben  Griechenland,  die  Mittelmeerinseln  und  die
europäische  Türkei,  vielleicht  auch  Italien  und  möglicherweise  Spanien
größere  Bevölkerungen  als  jetzt  enthalten,  und  dasselbe  mag  auch  mit
dem  nordwestlichen  und  gewissen  Teilen  von  Mittel-  und  Osteuropa
der  Fall  sein.
Amerika  hat  auch  an  Bevölkerung  zugenommen,  seit  wir  es  kennen;
aber  diese  Vermehrung  ist  nicht  so  groß,  wie  gemeinhin  angenommen
wird,  da  manche  Schätzungen  Peru  allein  zur  Zeit  der  Entdeckung  eine
größere  Bevölkerung  zuschreiben,  als  jetzt  in  ganz  Südamerika  lebt.
Und  alle  Anzeichen  deuten  darauf  hin,  daß  schon  vor  der  Entdeckung
Amerikas  die  Bevölkerung  im  Rückgänge  begriffen  war.  wie  viele
große  Nationen  ihren  weg  zurückgelegt  haben,  wie  viele  Reiche  entstanden ­
  und  gefallen  find  in  „jener  neuen  Welt,  welche  die  alte  ist",
können  wir  nicht  wissen.  Aber  Überbleibsel  massiver  Ruinen  bezeugen
eine  noch  großartigere  Zivilisation  vor  den  Inkas;  inmitten  der  tropischen ­
  Wälder  von  Pukatan  und  Zentralamerika  sind  die  Reste  großer,
selbst  zur  Zeit  der  spanischen  Eroberung  schon  vergessener  Städte;  Mexiko,
wie  Lortez  es  fand,  zeigte  eine  Oberschicht  von  Barbarei  über  einer  höheren
sozialen  Entwicklung,  während  über  einen  großen  Teil  der  jetzigen  ver-*)
  Wie  auf  der  Karte  in  £).  tj.  Bancrofts  „Lingeborne  Rassen"  gesehen  werden
kann,  ist  der  Staat  Vera  Lruz  nicht  einer  der  durch  ihr  Alter  merkwürdigen  Teile  Mexikos.
Dennoch  sagt  bsugo  Fink  von  Lordova  in  seinem  Schreiben  an  das  Smithsonian-Fnstitut
(Bericht  ;s?o),  daß  im  ganzen  Staate  kaum  ein  fußbreit  Raums  ist,  aus  dem  bei  Ausgrabungen ­
  nicht  ein  zerbrochenes  Steinmesser  oder  ein  zerbrochenes  Stück  Topf  ausgegraben ­
  werden  könnte,  daß  das  ganze  Land  von  parallelen  Steinlinien  durchkreuzt
.  ist,  die  die  Erde  davor  schützten,  in  der  Regenzeit  weggewaschen  zu  werden,  was  beweist,
daß  selbst  das  ärmste  Land  benutzt  wurde,  und  daß  man  sich  unmöglich  der  Folgerung
verschließen  kann,  daß  die  alte  Bevölkerung  wenigstens  so  dicht  war,  wie  jetzt  die  bevölkertsten ­
  Striche  Europas.
            
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