wo
Bevölkerung und Unterhaltsmittel.
Buch II.
für Jahr ärmer machen muß. Die Ausfuhren Indiens bestehen fast
ausschließlich aus Ackerbau-Erzeugnissen, Für wenigstens ein Drittel
derselben erhält es, wie bfyndman zeigt, nie einen Gegenwert; dies
Drittel repräsentiert den Tribut, Rimessen, die von Engländern in In
dien gemacht werden, oder Rosten des englischen Zweiges der indischen
Regierung*). Für das übrige aber besteht der Gegenwert größtenteils
aus Vorräten der Regierung oder Artikeln des Romforts und Luxus,
die von den englischen Herren Indiens verbraucht werden. Er zeigt,
daß die Rosten der Regierung unter der Herrschaft des Reichs enorm
angeschwollen sind; daß die unbarmherzige Besteuerung einer Bevölke
rung, die so elend arm ist, daß die Massen sich nur halb sättigen können,
sie ihrer geringen Mittel für die Bebauung des Bodens beraubt; daß
die Zahl der Ochsen (das indische Zugtier) abnimmt und die armseligen
Ackerbaugeräte den Wucherern in die Hände fallen, von denen „wir,
ein Handelsvolk, die Bauern zu \2, 2% so Prozent**) zu borgen zwingen,
um großartige öffentliche Werke zu bauen und zu verzinsen, die niemals
5 Prozent gebracht haben". „Die Wahrheit ist," sagt Hpndman an einer
anderen Stelle, „daß die indische Gesellschaft als Ganzes unter unserer
Herrschaft entsetzlich verarmt ist, und daß der Prozeß jetzt in außerordent
lich schnellem Maßstabe vor sich geht", eine Behauptung, die angesichts
der Tatsachen, welche nicht nur von den Schriftstellern, die ich angeführt
habe, sondern auch von indischen Beamten selbst dargestellt werden,
nicht bezweifelt werden kann. Selbst die Anstrengungen, welche zur
Linderung der Hungersnot von der Regierung gemacht werden, tragen
durch die zu diesem Zweck erforderliche höhere Besteuerung nur zur
Verstärkung und Ausdehnung ihrer tatsächlichen Ursache bei. Obgleich
die Zahl der während der letzten Hungersnot im südlichen Indien faktisch
Verhungerten aus 6 Millionen veranschlagt wird, und die Mehrzahl
der Überlebenden von allem entblößt war, wurden die Steuern doch
nicht nachgelassen und die Salzsteuer, die für die große Masse dieses
mit Armut geschlagenen Volkes schon dem Verbote gleichkommt, um
^0 Prozent erhöht, gerade wie nach der schrecklichen Hungersnot von
Bengalen f770 die Einnahmen tatsächlich in die Höhe geschraubt, und
auf die Überlebenden Abgaben ausgeschrieben und strenge eingetrieben
wurden.
Jetzt, wie in früheren Zeiten, kann nur die alleroberslächlichste
Ansicht den Mangel und Hungertod in Indien dem Drucke der Be-
*) Professor Fawcett lenkt in einem neulich veröffentlichten Artikel über die vor
geschlagenen Anleihen Indiens die Aufmerksamkeit auf Rosten, wie £ ;200 für Repräsen-
tations- und Reisekosten eines Mitglieds des General-Gouverneurrats, £ 2450 für Re-
präsentations- und Reisekosten der Bischöfe von Lalcutta nach Bombay.
**) Klorence Nightingale sagt, sind wo Prozent gewöhnlich, und selbst dann
wird, wie sie anführt, der Bauer noch auf andere weise beraubt. Ls ist kaum nötig, zu
bemerken, daß diese Sätze, wie die des Pfandleihers, nicht Zinsen im nationalökonomischen
Sinne des Wortes sind.