Full text: Fortschritt und Armut

Bevölkerung und Unterhaltsmittel. 
Buch II. 
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Rückerstattung anderem Lande zuteil werden oder zwischen diesem und 
jenem Lande, oder vielleicht gar zwischen allem Lande geteilt werden 
kann; aber diese Möglichkeit vermindert sich mit der zunehmenden Küche 
und hört ganz auf, wenn der ganze Erdball in Frage steht. Daß die 
Erde tOOO Milliarden ebenso leicht wie jooo Millionen Menschen unter 
halten könnte, ist eine notwendige Folgerung aus den unantastbaren 
Wahrheiten, daß, mindestens soweit unsere Tätigkeit in Betracht kommt, 
der Stoff ewig ist und die Kraft sich immerdar betätigen muß. Das Leben 
braucht die Kräfte nicht auf, die das Leben erhalten, wir treten in das 
materielle Weltall mit nichts ein und nehmen beim Scheiden nichts 
mit fort. Physikalisch betrachtet, ist der Mensch nur eine vorübergehende 
Form des Stoffes, eine wechselnde Art der Bewegung. Der Stoff 
bleibt, und die Kraft dauert. Nichts wird vermindert, nichts geschwächt. 
Und hieraus folgt, daß die Bevölkerungsgrenze der Erde nur die Grenze 
des Raumes sein kann. 
Diese Begrenzung des Raumes jedoch — diese Gefahr, daß das 
Menschengeschlecht über die Möglichkeit, Spielraum zu finden, hinaus 
wachsen kann —- ist so entfernt, daß sie für uns nicht mehr praktische Be 
deutung hat, als die Rückkehr der Eisperiode oder das schließliche Er 
löschen der Sonne. So entfernt und schattenhaft sie aber auch ist, so ist 
es doch diese Möglichkeit, welche der Malthusschen Theorie ihren an 
scheinend selbstverständlichen Lharakter verleiht. Verfolgen wir sie 
indes weiter, so wird selbst dieser Schatten verschwinden. Auch sie ent 
springt einer falschen Analogie. Daß das pflanzen- und Tierleben 
danach strebt, gegen die Grenzen des Raumes zu drängen, beweist noch 
nicht dieselbe Tendenz im Menschenleben. 
Zugegeben, daß der Mensch nur ein höher entwickeltes Tier ist; 
daß der Affe mit seinem aufgeringelten Schwänze nur ein entfernter 
Verwandter ist, der allmählich akrobatische Gewohnheiten entwickelt 
hat; daß der buckelige Walfisch ein noch weit entfernterer verwandter 
ist, der in früheren Zeiten sich in das Meer begab; zugegeben, daß er 
in rücklaufender Linie mit den Pflanzen verwandt und heute noch 
denselben Gesetzen unterworfen ist, wie die Pflanzen, die Fische, die 
Vögel und alle anderen Tiere. Dennoch besteht der Unterschied zwischen 
dem Menschen und allen anderen Geschöpfen, daß er das einzige Wesen 
ist, dessen wünsche in dem Maße zunehmen, wie sie befriedigt werden; 
das einzige Tier, das nie zufrieden ist. Die Bedürfnisse jedes anderen 
lebenden Wesens sind einförmig und feststehend; der Gchs von heute 
erstrebt nicht mehr, als der erste Dchs, der von Menschen ins Zoch ge 
spannt wurde. Die Seemöwe, welche im Englischen Kanal hinter dem 
schnellen Dampfer schwebt, braucht keine bessere Nahrung oder Woh 
nung als die Möwen, welche umherkreisten, als die Kiele von Eäsars 
Galeeren zuerst gegen einen britischen Strand stießen. Von allem, 
was die Natur, sei es auch in noch so großem Maße, bietet, kann, mit 
Ausnahme des Menschen, alles Lebende nur so viel nehmen und nur
	        
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