Full text : Fortschritt und Armut

Buch  II.

\\2  Bevölkerung  und  Unterhaltsmittel.

schöner  zu  machen,  Mangel  und  Sünde,  Sorge  und  Schande  zu  beseitigen.
Er  unterwirft  und  zähmt  das  Tier;  er  wendet  den  Festen  den  Rücken
und  verzichtet  aus  die  Stelle  der  Macht;  er  überläßt  es  anderen,  Reichtümer ­
  anzuhäufen,  angenehmeGesühle  zubefriedigen,  sich  in  dem  warmen
Sonnenschein  des  kurzen  Tages  zu  wärmen.  Er  arbeitet  für  die,  welche
er  nie  sah,  nie  sehen  kann;  für  einen  Ruhm,  oder  vielleicht  nur  für  eine
armselige  Gerechtigkeit,  die  erst  kommen  kann,  lange  nachdem  die  Erdklumpen ­
  auf  seinen  Sarg  heruntergerasselt  sind.  Er  müht  sich  im  Vordertreffen ­
  ab,  wo  es  kalt  und  wo  wenig  Beifall  von  den  Menschen  zu  ernten
ist,  wo  die  Steine  scharf  und  die  Gestrüppe  dicht  sind.  Mitten  unter  dem
Spotte  der  Gegenwart  und  dem  bsohne,  der  gleich  Messern  schneidet,
baut  er  für  die  Zukunft;  er  haut  sich  den  weg  durch  das  Dickicht,  den  die
fortschreitende  Menschheit  hernach  zu  einer  Landstraße  erweitern  kann.
Zn  immer  höhere,  großartigere  Sphären  steigt  und  ruft  das  Verlangen,
und  ein  Stern,  der  im  Gsten  aufgeht,  leitet  ihn  weiter.  Seht,  jetzt!
Die  pulse  des  Menschen  schlagen  mit  der  Sehnsucht  des  Gottes  —>  er
möchte  helfen  bei  dem  Umlauf  der  Sonnen!
Zst  nicht  die  Kluft  zu  weit,  als  daß  die  Analogie  sie  überspannen
könnte?  Mehr  Nahrung,  vollere  Lebensbedingungen  haben  auf  Pflanze
und  Tier  nur  so  weit  Einfluß,  daß  sie  sich  vermehren;  der  Mensch  wird
sich  entwickeln.  Bei  dem  einen  kann  die  Expansivkraft  nur  die  Anzahl
der  Existenzen  vermehren,  bei  dem  anderen  wird  sie  unvermeidlich  darauf
gerichtet  sein,  das  Dasein  zu  höheren  Formen  und  weiteren  Fähigkeiten
zu  entwickeln.  Der  Mensch  ist  ein  Tier,  aber  er  ist  ein  Tier  plus  noch  etwas.
Er  ist  der  mythische  Baum  der  Erde,  dessen  wurzeln  im  Boden  derselben
ruhen,  aber  dessen  höchste  Zweige  in  den  bsimmel  ragen.
wie  man  sie  auch  wenden  mag,  die  Beweisführung  zugunsten
der  Theorie  einer  beständigen  Tendenz  der  Bevölkerung,  gegen  die
Grenzen  ihres  Unterhalts  zu  drängen,  beruht  auf  einer  unbegründeten
Annahme,  einem  unverteilten  Mittel,  wie  die  Logiker  sagen  würden.
Die  Tatsachen  rechtfertigen  sie  nicht,  die  Analogien  unterstützen  sie  nicht.
Sie  ist  eine  reine  Schimäre,  ähnlich  denen,  welche  die  Menschen  lange
verhinderten,  die  Kugelform  und  die  Bewegung  der  Erde  einzusehen;
eine  Theorie  wie  die,  daß  bei  unseren  Gegenfüßlern  alles,  was  nicht
befestigt  ist,  von  der  Erde  hinunterfallen  müsse,  oder  wie  die,  daß  ein
vom  Mast  eines  segelnden  Schiffes  geworfener  Ball  hinter  den  Mast
fallen  müsse,  oder  daß  ein  in  ein  volles  Gefäß  mit  Wasser  gesetzter  lebender ­
  Fisch  dasselbe  nicht  überfließen  machen  werde.  Sie  ist  so  unbegründet,
wo  nicht  so  grotesk,  wie  die  Annahme,  von  der,  wie  wir  uns  denken
können,  etwa  Adam  ausgegangen  sein  würde  (falls  er  überhaupt  Talent
zum  Rechnen  hatte),  um  das  Wachstum  seines  Ältesten  nach  dessen
erstmonatlichen  Fortschritten  zu  berechnen.  Von  dem  Umstande  ausgehend, ­
  daß  derselbe  bei  der  Geburt  zehn  Pfund  und  in  acht  Monaten
zwanzig  Pfund  wog,  konnte  er,  bei  den  arithmetischen  Kenntnissen,
die  einige  weise  ihm  zuschreiben,  ein  ebenso  überraschendes  Ergebnis
            
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