Full text: Fortschritt und Armut

Die Gesetze der Verteilung. 
Buch III. 
J30 
Nutzung einschließt und alles andere ausschließt; der Lohn für Aussicht 
fällt unter den Ausdruck Lohn, der alle Erträge für inenschliche Arbeit 
ein- und alles andere ausschließt; und die Vergütung für Risiko hat 
nirgends Platz, da, wenn man alle Geschäfte eines Landes zusammen 
nimmt, das Risiko beseitigt ist. Ich werde daher, in Übereinstimmung 
mit den Definitionen der Nationalökonomen, den Ausdruck Zins für 
denjenigen Teil des Produktes, der auf das Kapital entfällt, an 
wenden. 
Rekapitulieren wir: 
Der Grund und Boden, die Arbeit und das Kapital sind die Faktoren 
der Produktion. Der Ausdruck Grund und Boden schließt alle Kräfte 
und Vorteile der Natur ein; der Ausdruck Arbeit alle menschliche An 
strengung; und der Ausdruck Kapital alle Güter, die gebraucht werden, 
um mehr Güter zu produzieren. Unter diese drei Faktoren wird das 
ganze Produkt verteilt. Der Teil, der auf die Grundbesitzer als Zahlung 
für den Gebrauch der natürlichen Vorteile entfällt, heißt Grundrente; 
der Teil, welcher die Belohnung menschlicher Arbeit ausmacht, heißt 
Lohn, und der Teil, der den Ertrag für die Kaxitalnutzung bildet, heißt 
Zins. Diese Ausdrücke schließen sich gegenseitig aus. Das Einkommen 
jedes einzelnen kann aus einer, zweien oder allen dreien dieser «Duellen 
entspringen; doch müssen wir sie, in dem Bestreben, die Gesetze der 
Verteilung zu entdecken, auseinanderhalten. 
Ich muß der jetzt vorzunehmenden Untersuchung vorausschicken, 
daß der nach meiner Ansicht nun ausreichend bewiesene Fehlgang der 
Nationalökonomie auf die Annahme eines irrtümlichen Standpunktes 
zurückgeführt werden darf. Zn einem Gesellschaftszustande lebend 
und ihre Beobachtungen anstellend, wo der Kapitalist gewöhnlich Land 
pachtet und Arbeiter beschäftigt, somit der Unternehmer oder erste 
Urheber der Produktion zu sein scheint, wurden die Pauptvertreter der 
Wissenschaft verleitet, das Kapital als den ursprünglichen Faktor der 
Produktion, den Grund und Boden als dessen Instrument und die Arbeit 
als dessen Werkzeug oder Agenten zu betrachten. Dies ist auf jeder Seite, 
in der Form und in dem Gange ihrer Erörterungen, in dem Lharakter 
ihrer Beispiele und selbst in der Wahl ihrer Ausdrücke ersichtlich. Allent 
halben ist das Kapital der Ausgangspunkt, der Kapitalist die Hauptfigur. 
Dies geht so weit, daß sowohl Smith als Ricardo den Ausdruck „natür 
lichen Lohn" anwenden, um das Minimum auszudrücken, mit welchem 
Arbeiter leben können, während, wenn nicht die Ungerechtigkeit das 
Natürliche ist, alles, was der Arbeiter überhaupt erzeugt, seinen natür 
lichen Lohn ausmachen sollte. Diese Gewohnheit, das Kapital als den 
Beschäftige! der Arbeit zu betrachten, hat sowohl-zu der Theorie geführt, 
daß die Löhne von dem relativen Kapitalüberflusse abhängen, als auch 
zu der anderen, daß die Zinsen sich im umgekehrten Verhältnis wie die 
Löhne bewegen, und von Wahrheiten abgelenkt, die ohne jene Gewohn 
heit nicht hätten verborgen bleiben können. Kurz, der Irrweg, der die-
	        
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