Die Gesetze der Verteilung.
Buch III.
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Nutzung einschließt und alles andere ausschließt; der Lohn für Aussicht
fällt unter den Ausdruck Lohn, der alle Erträge für inenschliche Arbeit
ein- und alles andere ausschließt; und die Vergütung für Risiko hat
nirgends Platz, da, wenn man alle Geschäfte eines Landes zusammen
nimmt, das Risiko beseitigt ist. Ich werde daher, in Übereinstimmung
mit den Definitionen der Nationalökonomen, den Ausdruck Zins für
denjenigen Teil des Produktes, der auf das Kapital entfällt, an
wenden.
Rekapitulieren wir:
Der Grund und Boden, die Arbeit und das Kapital sind die Faktoren
der Produktion. Der Ausdruck Grund und Boden schließt alle Kräfte
und Vorteile der Natur ein; der Ausdruck Arbeit alle menschliche An
strengung; und der Ausdruck Kapital alle Güter, die gebraucht werden,
um mehr Güter zu produzieren. Unter diese drei Faktoren wird das
ganze Produkt verteilt. Der Teil, der auf die Grundbesitzer als Zahlung
für den Gebrauch der natürlichen Vorteile entfällt, heißt Grundrente;
der Teil, welcher die Belohnung menschlicher Arbeit ausmacht, heißt
Lohn, und der Teil, der den Ertrag für die Kaxitalnutzung bildet, heißt
Zins. Diese Ausdrücke schließen sich gegenseitig aus. Das Einkommen
jedes einzelnen kann aus einer, zweien oder allen dreien dieser «Duellen
entspringen; doch müssen wir sie, in dem Bestreben, die Gesetze der
Verteilung zu entdecken, auseinanderhalten.
Ich muß der jetzt vorzunehmenden Untersuchung vorausschicken,
daß der nach meiner Ansicht nun ausreichend bewiesene Fehlgang der
Nationalökonomie auf die Annahme eines irrtümlichen Standpunktes
zurückgeführt werden darf. Zn einem Gesellschaftszustande lebend
und ihre Beobachtungen anstellend, wo der Kapitalist gewöhnlich Land
pachtet und Arbeiter beschäftigt, somit der Unternehmer oder erste
Urheber der Produktion zu sein scheint, wurden die Pauptvertreter der
Wissenschaft verleitet, das Kapital als den ursprünglichen Faktor der
Produktion, den Grund und Boden als dessen Instrument und die Arbeit
als dessen Werkzeug oder Agenten zu betrachten. Dies ist auf jeder Seite,
in der Form und in dem Gange ihrer Erörterungen, in dem Lharakter
ihrer Beispiele und selbst in der Wahl ihrer Ausdrücke ersichtlich. Allent
halben ist das Kapital der Ausgangspunkt, der Kapitalist die Hauptfigur.
Dies geht so weit, daß sowohl Smith als Ricardo den Ausdruck „natür
lichen Lohn" anwenden, um das Minimum auszudrücken, mit welchem
Arbeiter leben können, während, wenn nicht die Ungerechtigkeit das
Natürliche ist, alles, was der Arbeiter überhaupt erzeugt, seinen natür
lichen Lohn ausmachen sollte. Diese Gewohnheit, das Kapital als den
Beschäftige! der Arbeit zu betrachten, hat sowohl-zu der Theorie geführt,
daß die Löhne von dem relativen Kapitalüberflusse abhängen, als auch
zu der anderen, daß die Zinsen sich im umgekehrten Verhältnis wie die
Löhne bewegen, und von Wahrheiten abgelenkt, die ohne jene Gewohn
heit nicht hätten verborgen bleiben können. Kurz, der Irrweg, der die-