Full text : Fortschritt und Armut

Die  Gesetze  der  Verteilung.

Buch  III.

M

nehmen  wir  an,  daß  die  zehntägige  Arbeit  dem  Getreidebau  gewidmet
gewesen  wäre,  so  ist  es  augenscheinlich,  daß  Jakob  nicht  seinen  vollen
Ersatz  erhalten  würde,  falls  er  nach  Ablauf  des  Jahres  nur  die  Aussaat
zurückerhielte,  denn  während  desselben  würde  das  Korn  gekeimt  haben,
gewachsen  sein  und  sich  vervielfältigt  haben;  und  ebenso  könnte  dercksobel,
wenn  er  zum  Tausch  bestimmt  worden  wäre,  während  des  Jahres
mehrere  Male  umgesetzt  werden  und  bei  jedem  Tausch  ein  Mehr  für
Jakob  ergeben.  Da  nun  Jakobs  Arbeit  in  einer  dieser  Weisen  verwendet  —
oder,  was  auf  dasselbe  hinausläuft,  ein  Teil  der  zum  Lfobelmachen
aufgewendeten  Arbeit  dahin  abgeleitet  werden  könnte  —,  so  wird  er
für  Wilhelm  keinen  Hobel  zum  Gebrauch  für  ein  ganzes  Jahr  machen,
falls  er  nicht  mehr  als  den  Hobel  zurückerhält.  Und  Wilhelm  kann  auch
mehr  als  bloß  den  Hobel  zurückgeben,  weil  der  gleiche  Durchschnitt  der
Vorteile  der  in  verschiedener  Art  aufgewendeten  Arbeit  auch  ihn  befähigt,
aus  seiner  Arbeit  durch  das  Element  der  Zeit  einen  Vorteil  zu  erzielen.
Dieser  allgemeine  Durchschnitt,  oder,  sozusagen,  „Einsatz"  von  Vorteilen,
der  notwendig  stattfindet,  wo  die  Bedürfnisse  der  Gesellschaft  den  gleichzeitigen ­
  Betrieb  der  verschiedenen  Produktionsarten  erheischen,  verleiht
dem  für  sich  allein  nicht  vermehrungsfähigen  Güterbesitz  einen  Vorteil,
ähnlich  dem,  welcher  den  Gütern  beiwohnt,  die  in  einer  Art  und  weise
benutzt  werden,  daß  sie  aus  dem  Element  der  Zeit  Nutzen  ziehen.  Irr
letzter  Instanz  entspringt  der  Vorteil,  der  durch  den  Zeitverfluß  gewonnen
wird,  der  schaffenden  Kraft  der  Natur  und  den  wechselnden  Fähigkeiten
der  Natur  und  des  Menschen.
wären  die  Eigenschaften  und  Fähigkeiten  des  Stoffes  überall
gleichförmig  und  wäre  alle  Produktionskraft  nur  ein  Zubehör  des
Menschen,  so  würde  es  keinen  Zins  geben.  Der  Vorteil  besserer  Werkzeuge ­
  könnte  zeitweilig  zu  ähnlichen  Bedingungen  wie  das  Zinszahlen
übertragen  werden,  aber  solche  Geschäfte  würden  unregelmäßig  und
selten  —  die  Ausnahme,  aber  nicht  die  Regel  sein,  denn  die  Macht,
derartige  Erträgnisse  zu  erzielen,  würde  nicht,  wie  jetzt,  in  dem  Kapitalbesitz ­
  liegen,  und  der  Vorteil  der  Zeit  würde  sich  nur  unter  besonderen
Umständen  geltend  machen.  Daß  ich,  im  Besitz  von  jooo  Dollars,  sie
bestimmt  auf  Zinsen  ausleihen  kann,  kommt  nicht  daher,  daß  andere,
die  nicht  j.ooo  Dollars  haben,  froh  find,  mich  für  den  Gebrauch  zu  entschädigen, ­
  falls  sie  auf  andere  weise  sie  nicht  erlangen  können,  sondern
daher,  daß  das  durch  meine  MOO  Dollars  dargestellte  Kapital  die  Macht
hat,  jedem,  der  es  in  Händen  hat,  und  sei  er  auch  Millionär,  ein  Mehr
zu  ergeben.  Denn  der  Preis,  welchen  irgendetwas  ergibt,  hängt  nicht
davon  ab,  was  der  Käufer  lieber  geben  will,  als  daß  er  Verzicht  darauf
leistet,  sondern  vielmehr  davon,  was  der  Verkäufer  anderweitig  dafür
bekommen  kann.  Lin  Fabrikant,  der  sich  zur  Ruhe  zu  setzen  wünscht,
hat  z.  B.  für  ^oo  ooo  Dollars  Maschinen.  Kann  er,  im  Fall  des  Verkaufes,^ ­
  diese  ;oo  ooo  Dollars  nicht  zinsbringend  anlegen,  so  wird  es
ihm,  abgesehen  vom  Risiko,  gleich  sein,  ob  er  den  ganzen  preis  sofort
            
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