Full text : Fortschritt und Armut

Der  Lohn  und  das  Lohngesetz.

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Kap.  VI.

Lohn,  den  ein  Arbeitgeber  zahlen  muß,  durch  den  niedrigsten  Punkt
der  natürlichen  Produktivität  bemessen  werden,  bis  zu  dem  die  Produktion ­
  reicht,  und  der  Lohn  wird  steigen  und  fallen,  je  nachdem  dieser
Punkt  steigt  oder  fällt.
Hier  ein  Beispiel:  Zn  einem  einfachen  Gesellschaftszustande  arbeitet
jedermann,  wie  dies  der  ursprüngliche  Gebrauch  ist,  für  sich  selbst,
einige  z.  B.  jagen,  andere  fischen,  wieder  andere  bebauen  den  Boden.
Wir  wollen  annehmen,  daß  der  Anbau  gerade  begonnen  habe  und  das
in  Gebrauch  befindliche  Land  alles  von  gleicher  Güte  fei,  gleichen  Anstrengungen ­
  den  gleichen  Ertrag  gewähre.  Der  Lohn  —  denn  obgleich
es  weder  Arbeitgeber  noch  Arbeitnehmer  gibt,  gibt  es  doch  Lohn  —
wird  daher  den  vollen  Ertrag  der  Arbeit  darstellen  und  (mit  billiger
Berücksichtigung  des  Unterschiedes  in  der  Annehmlichkeit,  im  Risiko  usw.
unter  den  drei  Beschäftigungen)  im  Durchschnitt  gleich  sein,  d.  h.  gleiche
Anstrengungen  werden  gleiche  Resultate  ergeben,  wenn  nun  einer  von
ihnen  einige  seiner  Gefährten  zu  beschäftigen  wünscht,  so  daß  sie  für  ihn
und  nicht  für  sich  selbst  arbeiten,  so  muß  er  den  durch  diesen  vollen  durchschnittlichen ­
  Arbeitsertrag  normierten  Lohn  zahlen.
Lassen  wir  jetzt  einen  Zeitraum  verstreichen.  Der  Anbau  hat  sich
ausgedehnt  und  umfaßt  jetzt  Ländereien  verschiedener  Güte,  anstatt
von  einer  und  derselben.  Der  Lohn  wird  jetzt  nicht  mehr  wie  vordem
der  durchschnittliche  Arbeitsertrag  sein.  Er  wird  der  durchschnittliche
Arbeitsertrag  an  der  äußersten  Grenze  des  Anbaues  oder  der  Punkt
des  niedrigsten  Ertrages  fein.  Denn  da  die  Menschen  ihre  wünsche
viit  der  denkbar  geringsten  Anstrengung  zu  befriedigen  suchen,  so  muß
der  Punkt  des  niedrigsten  Ertrages  der  Arbeit  in  der  Bodenkultur  ein
chit  dem  durchschnittlichen  Ertrage  des  Zagens  und  Kischens  übereinstimmendes ­
  Ergebnis  liefern*).  Die  Arbeit  wird  nicht  länger  gleichen
Anstrengungen  gleiche  Erträge  gewähren,  sondern  diejenigen,  welche
die  ihrige  auf  besseres  Land  verwenden,  werden  für  dieselbe  Anstrengung
Anen  größeren  Ertrag  erzielen  als  diejenigen,  welche  die  schlechteren
Ländereien  bebauen.  Der  Lohn  jedoch  wird  noch  immer  gleich  sein;
denn  dieser  Überschuß,  den  die  Bebauer  des  besseren  Landes  bekommen,
stl  in  Wahrheit  Grundrente  und  wird  demselben  einen  Wert  geben,
sobald  es  persönlichem  Besitz  unterworfen  fein  wird,  wenn  jetzt,  unter
diesen  veränderten  Umständen,  ein  Mitglied  dieses  Gemeinwesens
andere  zu  dingen  wünscht,  damit  sie  für  ihn  arbeiten,  so  wird  er  nur
so  viel  zu  zahlen  haben,  als  die  Arbeit  beim  niedrigsten  Punkte  des
Anbaus  erzielt.  Sinkt  später  die  äußerste  Grenze  desselben  auf  Punkte
l° n  immer  niedrigerer  Produktivität,  so  muß  auch  der  Lohn  sinken,
s  eigt  sie  dagegen,  so  muß  auch  der  Lohn  steigen,  denn,  gerade  wie  ein
Üe:  in  der  Luft  schwebender  Körper  den  kürzesten  weg  nach  dem  Mittel-*)
  Diese  Übereinstimmung  wird  durch  die  Ausgleichung  der  Preise  bewirkt  werden.
George,  Fortschritt  und  Armut.  I,
            
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