Full text : Fortschritt und Armut

168

Buch  III.

Die  Gesetze  der  Verteilung.

„Jeder  Kolonist  erhält  inehr  Land,  als  er  bebauen  kann.  Er  hat  keine  Grundrente
und  kaum  irgendwelche  Abgaben  zu  zahlen.  ...  Er  ist  daher  darauf  bedacht,  von  allen
Seiten  Arbeiter  heranzuziehen  und  ihnen  die  liberalsten  Löhne  zu  zahlen.  Aber  diese
reichlichen  Löhne,  verbunden  mit  dem  Überfluß  und  der  Wohlfeilheit  des  Landes,
bewirken  sehr  bald,  daß  jene  Arbeiter  ihn  verlassen,  um  selbst  Besitzer  zu  werden  und
mit  gleicher  Liberalität  andere  Arbeiter  zu  bezahlen,  die  aus  demselben  Grunde,  aus
dem  sie  selbst  ihren  ersten  Herrn  verließen,  auch  sie  bald  wieder  verlassen  werden."
Das  zitierte  Kapitel  enthält  zahlreiche  Ausdrücke,  welche,  gleich
dein  Einleitungssatz  in  dein  Kapitel  vorn  Arbeitslohn,  beweisen,  daß
Adam  Smith  die  wahren  Gesetze  der  Güterverteilung  nur  darum  nicht
ausfindig  machte,  weil  er  sich  von  den  ursprünglicheren  Gesellschaftsformen ­
  abwandte  und  die  Grundprinzipien  in  den  verwickelteren  sozialen ­
  Erscheinungen  suchte,  wo  er  durch  eine  im  voraus  angenommene
Theorie  der  Funktionen  des  Kapitals,  und  wie  mir  scheint,  durch  eine
dunkle  Vorstellung  der  Doktrin  verblendet  wurde,  die  zwei  Zahre  nach
seinem  Tode  Malthus  formulierte.  Und  man  kann  die  nationalökonomischen ­
  Werke,  die  seit  Smith'  Zeit  sich  bemüht  haben,  diese  Wissenschaft
auszubauen  und  zu  erläutern,  unmöglich  lesen,  ohne  zu  sehen,  wie  sie
unaufhörlich  über  das  Lohngesetz  stolpern,  ohne  es  ein  einziges  Mal
zu  erkennen.  Und  doch,  „wenn  es  ein  pund  wäre,  würde  er  sie  beißen"!
Es  ist  wirklich  schwer,  dem  Eindruck  zu  widerstehen,  daß  einige  von  ihnen
dies  Gesetz  wohl  sahen,  aber  aus  Furcht  vor  den  praktischen  Schlüssen,
zu  denen  es  führen  mußte,  vorzogen,  es  lieber  zu  ignorieren  und  zuzudecken, ­
  als  es  als  Schlüssel  zu  Problemen  zu  gebrauchen,  die  sonst  so
unlösbar  erscheinen.  Eine  große  Wahrheit  in  einem  Zeitalter,  das  sie
verworfen  und  mit  Küßen  getreten  hat,  ist  kein  Wort  des  Friedens,
sondern  ein  Schwert!
Vielleicht  ist  es  gut,  den  Leser  vor  Schluß  dieses  Kapitels  daran
zu  erinnern,  daß  ich  das  Wort  Lohn  nicht  im  Sinne  einer  (Quantität,
sondern  in  dem  eines  Verhältnisses  brauche,  wenn  ich  sage,  daß  der
Lohn  fällt  wie  die  Grundrente  steigt,  so  meine  ich  nicht,  daß  die  von  den
Arbeitern  als  Lohn  erhaltene  Güterquantität  notwendig  geringer  sei,
sondern  daß  das  Verhältnis,  in  dem  sie  zu  dem  ganzen  Ertrage  steht,
geringer  sei.  Das  Verhältnis  kann  abnehmen,  während  die  Menge
dieselbe  bleibt  oder  selbst  zunimmt.  Fällt  die  Grenze  des  Anbaus  von
dem  produktiven  Punkt,  den  wir  25  nennen  wollen,  zu  dem  produktiven
Punkt,  den  wir  mit  20  bezeichnen  wollen,  so  wird  die  Grundrente  von
allem  Lande,  das  vorher  Rente  zahlte,  um  diesen  Unterschied  zunehmen,
und  das  als  Lohn  auf  die  Arbeiter  entfallende  Verhältnis  des  ganzen
Ertrages  wird  in  gleichem  Umfang  abnehmen;  haben  jedoch  mittlerweile ­
  die  Fortschritte  der  Wissenschaften  oder  die  durch  größere  Bevölkerung ­
  ermöglichten  Ersparungen  die  Produktionskraft  der  Arbeit
so  vermehrt,  daß  bei  20  die  gleiche  Anstrengung  so  viel  Güter  hervorbringt
wie  vorher  bei  25,  so  werden  die  Arbeiter  als  Lohn  ein  ebenso  großes
Quantum  wie  vordem  erhalten,  und  das  relative  Sinken  des  Lohns
wird  nicht  in  einer  Verminderung  der  Notwendigkeiten  oder  Annehin-
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.