Full text : Fortschritt und Armut

Kap.  II.

Bevölkermrgszunahine  und  Verteilung.

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Ertragsfähigkeit  des  in  Benutzung  befindlichen  Landes,  der  eine  zunehmende ­
  Steigerung  der  Rente  verursacht,  rührt  nicht  sowohl  von  der
Nötigung  her,  bei  wachsender  Bevölkerung  geringeres  Land  in  Angriff
zu  nehmen,  als  von  der  erhöhten  Ertragsfähigkeit,  welche  die  vermehrte
Bevölkerung  dem  schon  benutzten  Grund  und  Boden  verleiht.  Der  wertvollste ­
  Grund  und  Boden  der  Erde,  derjenige,  der  die  höchste  Rente
ergibt,  ist  nicht  Grund  und  Boden  von  außerordentlicher  natürlicher
Fruchtbarkeit,  sondern  solcher,  dem  durch  die  Bevölkerungszunahme
eine  außerordentliche  Nutzbarkeit  verliehen  wurde.
Die  Erhöhung  der  Ertragsfähigkeit  oder  Nutzbarkeit,  welche  die
Bevölkerungszunahme  in  der  eben  erörterten  Weise  gewissen  Grundstücken ­
  verleiht,  heftet  sich,  sozusagen,  an  die  bloße  Eigenschaft  der
Ausdehnung.  Die  wertvolle  Eigenschaft  des  Landes,  welches  ein  Mittelpunkt ­
  der  Bevölkerung  geworden  ist,  liegt  in  seiner  Flächenkapazität;
es  macht  keinen  Unterschied,  ob  es  fruchtbarer  Alluvialboden  wie  in
Philadelphia,  eine  reiche  Niederung  wie  in  New-Drleans,  ein  ausgefüllter
Sumpf  wie  in  St.  Petersburg  oder  eine  kahle  Sandfläche  wie  der  größte
Teil  von  San  Franziska  ist.
Und  wo  der  Wert  aus  überlegenen  natürlichen  Eigenschaften  zu
entstehen  scheint,  wie  aus  tiefem  Wasser  und  gutem  Ankergrund,  reichen
Lägern  von  Kohlen  und  Eisen,  oder  dem  Bestände  mit  schwerem  Bauholz,
da  zeigt  die  Beobachtung  gleichfalls,  daß  diese  überlegenen  Eigenschaften
durch  die  Bevölkerung  zuwege  gebracht  und  erreichbar  werden.  Die
Kohlen-  und  Eisenfelder  pennszüvaniens,  die  heute  enorme  Summen
darstellen,  waren  vor  50  Jahren  wertlos.  Welches  ist  die  Ursache  dieses
Unterschiedes?  Einfach  der  Unterschied  in  der  Bevölkerung.  Die  Kohlenund
  Eisenbecken  von  Wyoming  und  Montana,  die  heute  wertlos  sind,
werden  in  50  Jahren  Millionen  über  Millionen  wert  sein,  einfach  weil
bis  dahin  die  Bevölkerung  bedeutend  zugenommen  haben  wird.
Dies  hier  ist  ein  wohl  verproviantiertes  Schiff,  auf  dem  wir  durch
den  Raum  dahin  segeln.  Scheint  das  Brot  und  Fleisch  auf  den  Zwischendecken ­
  rar  zu  werden,  so  öffnen  wir  nur  eine  Luke,  und  neue  Vorräte
kommen  ans  Tageslicht,  von  denen  wir  uns  vorher  nichts  träumen
ließen.  Und  große  Gewalt  über  die  Dienste  anderer  ist  denen  gegeben,
die,  nach  Öffnung  der  Luken,  sagen  dürfen:  „Alles  dies  ist  mein".
Rekapitulieren  wir:  Die  Wirkung  der  Bevölkerungszunahme  auf
die  Güterverteilung  besteht  darin,  daß  sie  die  Rente  erhöht  (und  mithin
den  Teil  des  Produkts,  der  auf  das  Kapital  und  auf  die  Arbeit  entfällt,
vermindert)  und  zwar  auf  zweierlei  Art:  erstens  durch  Verengerung
der  Anbaugrenze,  zweitens  durch  das  Zuwegebringen  spezieller,  sonst
latenter  Fähigkeiten  im  Boden,  sowie  durch  die  Verleihung  spezieller
Fähigkeiten  an  bestimmtes  Land.
Ich  möchte  glauben,  daß  die  letztere  Art,  der  die  Nationalökonomen
wenig  Aufmerksamkeit  gewidmet  haben,  in  der  Tat  die  bedeutendere
Mi,  doch  ist  dies  in  unserer  Untersuchung  ohne  Belang.
            
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