Full text : Fortschritt und Armut

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Materieller  Fortschritt  und  Verteilung.

Buch  IV.

Kapitel  III.
Die  Wirkung  der  Fortschritte  in  den  Gewerben  auf  die
Güterverteilung.
Die  Fortschritte  der  Gewerbe  beiseite  lassend,  haben  wir  die  Wirkungen ­
  der  Bevölkerungszunahme  auf  die  Güterverteilung  betrachtet.
Jetzt  lassen  wir  die  Bevölkerungszunahme  beiseite  und  prüfen,  welche
Wirkung  die  Fortschritte  in  den  Gewerben  auf  die  Verteilung  ausüben.
Wir  haben  gesehen,  daß  die  Zunahme  der  Bevölkerung  die  Rente
erhöht,  mehr  durch  die  Steigerung  als  Verringerung  der  Produktivität
der  Arbeit,  wenn  jetzt  gezeigt  werden  kann,  daß,  unabhängig  von  der
Bevölkerungszunahme,  auch  die  Wirkung  der  Fortschritte  in  den  Methoden
der  Produktion  und  des  Austausches  dahin  geht,  die  Rente  zu  erhöhen,
so  wird  die  Malthusfche  Theorie  —und  alle  davon  abgeleiteten  oder  damit
in  Beziehung  stehenden  Lehren  —  endgültig  und  vollständig  widerlegt
sein,  denn  wir  werden  die  Tendenz  des  materiellen  Fortschritts,  den
Lohn  und  die  Lage  der  untersten  Klaffe  herabzudrücken,  erklärt  haben,
ohne  zu  der  Theorie  des  zunehmenden  Druckes  gegen  die  Unterhaltsmittel ­
  greifen  zu  müssen.
'Daß  dies  der  Fall  ist,  wird  sich,  wie  ich  glaube,  beim  oberflächlichsten ­
  Nachdenken  herausstellen.
Die  Wirkung  der  Erfindungen  und  Verbesserungen  in  den  produktiven ­
  Gewerben  besteht  darin,  Arbeit  zu  ersparen,  d.  h.  das  gleiche
Resultat  mit  weniger  Arbeit  oder  ein  größeres  Resultat  mit  derselben
Arbeit  zu  sichern.
In  einem  Gesellschaftszustande,  in  welchem  die  vorhandene  Arbeitskraft ­
  dazu  diente,  alle  materiellen  wünsche  zu  befriedigen,  und  wo  keine
Möglichkeit  wäre,  neue  wünsche  durch  die  Gelegenheit,  sie  zu  befriedigen,
hervorzurufen,  würde  die  Wirkung  arbeitersparender  Verbesserungen
einfach  die  sein,  die  Summe  der  aufzuwendenden  Arbeit  zu  vermindern.
Ein  solcher  Gesellschaftszustand  jedoch  kann,  wenn  er  überhaupt  zu
finden  ist,  was  ich  bezweifle,  nur  da  vorhanden  fein,  wo  der  Mensch  dem
Tiere  noch  sehr  nahe  kommt.  In  der  sogenannten  zivilisierten  Gesellschaft, ­
  mit  der  wir  es  in  dieser  Untersuchung  zu  tun  haben,  ist  das  gerade
Gegenteil  der  Fall.  Die  Nachfrage  ist  keine  bestimmte  Quantität,  die
nur  mit  der  Bevölkerung  zunähme.  Sie  entsteht  in  jedem  einzelnen
mit  seiner  Fähigkeit,  sich  die  verlangten  Dinge  zu  verschaffen.  Der  Mensch
ist  kein  Gchse,  der,  wenn  er  sich  satt  gefressen  hat,  sich  zum  wiederkäuen
niederlegt;  er  ist  der  Sprosse  des  Blutigels,  der  beständig  nach  mehr
verlangt.  „Wenn  ich  Geld  bekomme",  sagte  Erasmus,  „werde  ich  mir
einige  griechische  Bücher  kaufen  und  nachher  einige  Kleider."  Die  Summe
der  produzierten  Güter  deckt  sich  nirgends  mit  dem  Verlangen  nach
Gütern,  und  das  Verlangen  steigt  mit  jeder  weiteren  Gelegenheit,  es
zu  befriedigen.
            
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