Full text : Fortschritt und Armut

Materieller  Fortschritt  und  Verteilung.

Buch  IV.

Beispiele  sicher  überall  zu  finden  sind.  In  Marin  Eounty,  von  San
Franzisko  aus  leicht  zu  erreichen,  gibt  es  einen  schönen  Bestand  von
Rottannen.  Der  Natur  der  Dinge  nach  sollten  diese  zuerst  gebraucht
werden,  ehe  man  für  den  Bedarf  des  Marktes  von  San  Franzisko  zu
viel  weiter  entfernten  Bauholzbeständen  griffe.  Aber  er  bleibt  unberührt,
und  viele  Meilen  weiter  hinaus  gehauenes  Bauholz  wird  täglich  mit
der  Bahn  daran  vorüber  geführt,  weil  sein  Besitzer  vorzieht,  auf  den
höheren  Preis  zu  warten,  den  er  in  der  Zukunft  bringen  wird.  Indem
so  dieser  Bestand  dem  Verbrauch  entzogen  wird,  wird  die  Grenze  der
Produktion  von  Rottannen  um  soviel  weiter  die  Rüste  hinauf  und  hinunter ­
  getrieben.  Daß  Erzlager,  sobald  sie  im  Privatbesitz  sind,  häufig
der  Benutzung  vorenthalten  werden,  während  man  ärmere  Lager  bearbeitet, ­
  ist  bekannt,  und  in  neuen  Staaten  ist  es  etwas  Gewöhnliches,
Leute  zu  finden,  die  „landarm"  („lanä  poor")  genannt  werden,  d.  h.
die  arm  bleiben,  oft  fast  bis  zum  wirklichen  Mangel,  weil  sie  darauf
bestehen,  Land,  das  sie  selbst  nicht  gebrauchen  können,  zu  Preisen  an
sich  zu  halten,  zu  welchen  sonst  niemand  es  mit  Gewinn  auszunützen
vermag.
Rehren  wir  jetzt  zu  der,  im  vorhergehenden  Rapitel  gegebenen
Erläuterung  zurück:  Bei  der  auf  20  stehenden  Grenze  des  Anbaues
findet  eine  Vermehrung  in  der  Produktionskraft  statt,  die  das  gleiche
Resultat  mit  einem  Zehntel  weniger  Arbeit  erreichbar  macht.  Aus
den  vorher  erwähnten  Gründen  muß  jetzt  die  Ziffer  der  Produktionsgrenze ­
  herabgesetzt  werden,  und  wenn  sie  auf  J8  bleibt,  so  wird  der
Ertrag  der  Arbeit  und  des  Rapitals  derselbe  wie  vorher  sein,  als  die
Grenze  bei  20  stand.  Gb  sie  auf  tS  oder  noch  darunter  gedrängt  wird,
richtet  sich  nach  dem  Areal  der  Produktivität  (wie  ich  es  genannt  habe),
welches  zwischen  20  und  ^8  liegt,  wenn  aber  die  sichere  Erwartung
einer  weiteren  Erhöhung  der  Renten  die  Besitzer  veranlaßt,  die  Rente
von  3  für  Land  von  20,  von  2  für  t9,  von  \  für  *8  zu  verlangen  und  ihre
Grundstücke  der  Benutzung  vorzuenthalten,  bis  diese  Bedingungen
erreicht  sind,  so  kann  das  Areal  der  Produktivität  so  heruntergesetzt
werden,  daß  die  Grenze  des  Anbaues  auf  oder  selbst  tiefer  fallen  muß;
und  somit  würden  die  Arbeiter  als  Resultat  der  Zunahme  der  Arbeitsleistungen ­
  weniger  als  vorher  erhalten,  während  der  Zins  entsprechend
herabgesetzt  und  die  Rente  in  größerem  Verhältnis  als  die  Zunahme  der
produktiven  Rraft  steigen  würde.
Gb  wir  sie  als  eine  Hinausschiebung  des  Spielraums  der  Produktion ­
  oder  als  ein  hinüberführen  der  Rentenlinie  über  den  Spielraum
der  Produktion  hinaus  formulieren,  immer  ist  der  Einfluß  der  Landspekulation ­
  auf  die  Erhöhung  der  Rente  eine  Tatsache,  die  in  keiner
Theorie  der  Güterverteilung  in  fortschreitenden  Ländern  ignoriert
werden  kann.  Sie  ist  die  Rraft,  die  durch  den  materiellen  Fortschritt
entfaltet  wird,  und  die  beständig  darauf  hinwirkt,  die  Rente  in  größerem
Verhältnis  zu  erhöhen,  als  der  Fortschritt  die  Produktion  vermehrt,
            
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