Full text: Theoretische Sozialökonomie

Kap. I. Die Wirtschaft im allgemeinen. 
wesentlichen Teile in einer angemessenen Verteilung der Produktions- 
mittel auf die verschiedenen Verwendungen derselben bestehen, Eben 
deshalb, weil die Produktionsmittel so manchen verschiedenen Ver- 
wendungen zugewendet werden können, sind die Möglichkeiten der 
Bedürfnisbefriedigung nach ihrer relativen Zusammensetzung so über- 
aus reich. Immer bildet jedoch die Knappheit der Produktionsmittel 
eine wesentliche Beschränkung der Gesamtheit der Bedürfnisbefrie- 
digung. 
Wir haben hier bei unserer Charakteristik derjenigen wirtschaft- 
lichen Tätigkeit, die wir Produktion nennen, der Einfachheit halber 
zunächst nur die Herstellung materieller Güter, also- einen Prozeß der 
Umwandlung und Veredlung von Materialien, ins Auge gefaßt. Man 
kann auch die Produktion in engerem Sinne lediglich als eine solche 
Bearbeitung von Materialien auffassen. Vom wirtschaftlichen Gesichts- 
punkt gibt es aber keinen Grund, den Begriff der Produktion so eng 
zu begrenzen. Der Transport der Materialien und der bearbeiteten 
Güter läßt sich zunächst für eine wirtschaftliche Auffassung nicht von 
der Bearbeitung derselben scheiden. Dies erhellt vielleicht am besten, 
wenn man bedenkt, daß auch im Veredlungsprozeß selbst eine Menge 
von Transportleistungen vorkommt, so z. B. im Hochofenbetrieb und 
in der Land- und Fortstwirtschaft. Faßt man die gesamte Herstellung 
materieller Güter für die Bedürfnisbefriedigung als einen einheitlichen 
Prozeß auf, dann können die unzähligen einzelnen Transportleistungen 
innerhalb dieses Prozesses nicht aus demselben ausgeschieden werden. 
Es gibt dann aber auch keine Veranlassung, die letzten Transport- 
leistungen, die die fertigen Güter an die Konsumenten bringen, vom 
Produktionsprozeß auszuschließen. Diejenigen wirtschaftlichen Tätig- 
keiten, die unter verschiedenen Wirtschaftsorganisationen die Aufgabe 
haben, die Bewegung der Güter zwischen den einzelnen Teilen der 
Gesamtwirtschaft zu regeln und die unter modernen Verhältnissen als 
Handel bezeichnet werden, kann man wohl begrifflich vom Produktions- 
prozeß im engeren technischen Sinne unterscheiden, sie werden aber, 
da eine wesentliche Grenze schwer zu bestimmen ist, am besten als ein 
Teil des großen Produktionsprozesses, der die Aufgabe hat, den Men- 
schen die Mittel zu ihrer ‚Bedürfnisbefriedigung zur Verfügung zu 
stellen, aufgefaßt. Demgemäß ist die Produktion in ihrem Ganzen als 
eine besondere Seite der menschlichen Wirtschaft, nämlich als Güter- 
erzeugung, zu betrachten. Die Wirtschaft ist jedoch immer noch der 
allgemeinere Begriff, denn sie umfaßt neben der Produktion auch die 
Regelung einerseits der Konsumtion, andererseits der persönlichen 
Leistungen, sie repräsentiert die Gesamtleistung, die die Bedürfnis- 
befriedigung und die Mittel dazu in Übereinstimmung bringt. 
Die Produktion in diesem weiteren Sinne ist auch nicht auf die 
Beschaffung materieller Güter beschränkt. Auch alle der unmittelbaren 
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