Full text : Fortschritt und Armut

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Das  Heilmittel.

Buch  VI.

ZU  sehen,  da  sie  „Beschäftigung  bringt"  oder  „Geld  in  Umlauf  setzt".
Tweed,  der  New-Pork  beraubte,  wie  ein  Guerilla-bjauptmann  eine  besetzte ­
  Stadt  zu  brandschatzen  pflegt  (und  der  nur  ein  Tchxus  der  neuen
Sorte  von  Banditen  war,  die  die  Verwaltung  aller  unserer  Städte
an  sich  reißen),  war  unzweifelhaft  bei  einer  Majorität  der  Mähler  populär,
obgleich  seine  Diebereien  notorisch  waren  und  sein  Raub  in  dicken  Diamanten ­
  und  verschwenderischen  persönlichen  Ausgaben  offen  zur  Schau
getragen  wurde.  In  Anklagezustand  versetzt,  wurde  er  triumphierend
in  den  Senat  gewählt,  und  selbst  noch  als  wiedereingefangener  Flüchtling ­
  wurde  er  häufig  auf  seinem  Mege  vom  Gericht  zum  Gefängnis
mit  pochs  begrüßt.  Er  hatte  die  öffentlichen  Rassen  um  viele  Millionen
bestohlen,  aber  die  Proletarier  fühlten,  daß  er  nicht  sie  beraubt  hatte.
Und  das  Urteil  der  Nationalökonomie  stimmt  ihnen  darin  bei.
Man  verstehe  micht  recht.  Ich  sage  nicht,  daß  die  Sparsamkeit  in
den  Staats-  und  Gemeindeausgaben  nicht  wünschenswert  sei,  sondern
nur,  daß  die  Ermäßigung  dieser  Ausgaben  keinen  direkten  Einfluß  auf
die  Ausrottung  der  Armut  und  die  Erhöhung  des  Lohns  haben  kann,
solange  der  Grund  und  Boden  monopolisiert  bleibt.
«Obgleich  dies  so  ist,  sollte  dennoch,  auch  im  Interesse  der  untersten
Klasse,  keine  Anstrengung  gespart  werden,  um  nutzlose  Ausgaben  zu
vermeiden.  Je  verwickelter  und  kostspieliger  die  Regierung  wird,  desto
mehr  wird  sie  eine  vom  Volke  verschiedene  und  unabhängige  Macht,
und  desto  schwieriger  wird  es,  Fragen  des  wahren  Volkswohls  zu  volkstümlicher ­
  Entscheidung  zu  bringen.  Man  betrachte  unsere  Wahlen  in
den  vereinigten  Staaten  —  um  was  drehen  sie  sich?  Probleme  der
allergrößten  Wichtigkeit  drängen  sich  uns  auf,  aber  so  viel  gilt  das  Geld
in  der  Politik,  so  groß  sind  die  dabei  beteiligten  persönlichen  Interessen,
daß  die  wichtigsten  verwaltungsfragen  nur  wenig  Beachtung  finden.
Der  amerikanische  Durchschnittswähler  hat  Vorurteile,  Parteigefühle,
allgemeine  Ansichten  einer  gewissen  Art,  aber  er  widmet  den  fundamentalen ­
  Fragen  der  Verwaltung  nicht  viel  mehr  Nachdenken  als  ein  Pferd
der  Straßenbahnen  dem  Gewinn  seiner  Linie.  Märe  dem  nicht  so,  so
könnten  nicht  so  viele  altersgraue  Mißbräuche  das  Leben  fristen  und  so
viele  neue  hinzugekommen  sein.  Alles,  was  darauf  zielt,  die  Regierung
einfach  und  wohlfeil  zu  machen,  zielt  gleichzeitig  darauf  hin,  sie  unter
die  Kontrolle  des  Volkes  und  Fragen  wirklicher  Wichtigkeit  in  den  Vordergrund ­
  zu  bringen.  Aber  keine  Ermäßigung  der  Staatsausgaben  kann
an  sich  selbst  die  Übel  heilen  oder  lindern,  welche  aus  einer  beständigen
Tendenz  zu  ungleicher  Verteilung  der  Güter  entstehen.
2.  von  der  Verbreitung  des  Unterrichts  und  besserer  Gewöhnung ­
  an  Fleiß  und  Sparsamkeit.
Es  besteht  und  bestand  von  jeher  unter  den  höheren  Klassen  ein
weitverbreiteter  Glaube,  daß  Armut  und  Leiden  der  Massen  ihrem  Mangel
            
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