Full text : Fortschritt und Armut

Kap.  II.

Sklaverei  das  Resultat  des  Privatgrundbesitzes.

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Denn  die  Umstände  mögen  sein  wie  sie  wollen,  der  Besitz  des
Grund  und  Bodens  wird  stets  je  nach  der  (wirklichen  oder  künstlichen)
Notwendigkeit,  das  Land  in  Gebrauch  zu  nehmen,  den  Besitz  von
Menschen  verleihen.  Dies  ist  nur  eine  andere  Fassung  des  Gesetzes
der  Rente.
Und  wenn  jene  Notwendigkeit  eine  absolute  ist,  wenn  nur  zwischen
denk  Hungertod  und  dem  Gebrauch  des  Grund  und  Bodens  die  Wahl
übrig  bleibt,  dann  wird  der  in  dem  Besitz  des  Grund  und  Bodens  inbegrissene
  Besitz  der  Menschen  ein  absoluter.
Man  setze  hundert  Menschen  auf  eine  Insel,  von  der  es  kein  Entrinnen ­
  gibt,  und  es  wird  wenig  Unterschied  machen,  ob  man  einen
dieser  Menschen  zum  absoluten  Besitzer  der  anderen  neunundneunzig
oder  zum  absoluten  Herrn  des  Grund  und  Bodens  der  Insel  macht,
weder  für  ihn,  noch  für  sie.
In  dem  einen,  wie  in  dem  anderen  Falle  wird  der  eine  der  absolute ­
  Herr  der  neunundneunzig  sein  und  seine  Macht  sich  selbst  auf
Leben  und  Tod  erstrecken,  denn  die  bloße  Verweigerung  der  Erlaubnis,
auf  der  Insel  zu  leben,  würde  sie  ins  Meer  hineintreiben.
In  größerem  Maßstabe  und  bei  verwickelteren  Verhältnissen  muß
gleichwohl  dieselbe  Ursache  auf  gleiche  weise  und  nach  demselben  Ziele
hinwirken,  und  das  schließliche  Resultat,  die  Versklavung  der  Arbeiter,
wird  desto  sichtbarer,  je  mehr  der  Druck  zunimmt,  der  sie  zwingt,  auf
und  von  dem  Lande  zu  leben,  welches  als  das  ausschließliche  Eigentum
anderer  behandelt  wird.  Nehmen  wir  ein  Land,  in  welchem  der  Grund
und  Boden  nicht  in  den  Händen  eines  einzigen,  sondern  unter  eine
Anzahl  von  Besitzern  verteilt  ist,  und  in  welchem,  wie  es  bei  der  modernen
Produktion  üblich,  Kapitalist  und  Arbeiter  verschiedene  Personen,
und  Gewerbe  und  Handel  in  all  ihren  vielen  Zweigen  vom  Ackerbau
getrennt  sind.  Obgleich  weniger  direkt  und  weniger  auffällig,  werden
die  Verhältnisse  zwischen  den  Grundbesitzern  und  den  Arbeitern  mit  der
Bevölkerungszunahme  und  den  Fortschritten  der  Gewerbe  auf  der
einen  Seite  dieselbe  absolute  Herrschaft  und  auf  der  anderen  Seite
dieselbe  niedrige  Hilflosigkeit  bewirken,  wie  in  dem  von  uns  angenommenen ­
  Falle  der  Insel.  Die  Grundrente  wird  steigen,  während
die  Löhne  fallen,  von  dem  Gesamtprodukt  wird  der  Grundbesitzer
einen  beständig  zunehmenden,  der  Arbeiter  einen  beständig  abnehmenden
Anteil  erhalten.  In  dem  Maße,  wie  ein  Wegzug  nach  billigerem  Grund
und  Boden  schwierig  oder  unmöglich  wird,  werden  die  Arbeiter,  gleichviel ­
  was  sie  produzieren,  auf  das  bloße  Leben  beschränkt  werden,  und
die  freie  Konkurrenz  unter  ihnen  wird  sie  bei  monopolisiertem  Grund«
besitz  in  eine  Lage  hineinzwängen,  welche  virtuell  Sklaverei  ist,  wenn
man  sie  auch  mit  den  Titeln  und  Insignien  der  Freiheit  hänselt.
Es  ist  nichts  Erstaunliches  in  der  Tatsache,  daß  trotz  der  enormen
Vermehrung  der  Produktionskraft,  welche  dies  Jahrhundert  gesehen
hat  und  die  noch  fortschreitet,  die  Arbeitslöhne  in  den  unteren  und
George,  Fortschritt  und  Armut.  ,7
            
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