Kap. V.
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Vom Grundbesitz in den Vereinigten Staaten.
Freiheit und Streben nach Glück proklamiert, unbedenklich ein Prinzip
annahm, welches, das gleiche und unveräußerliche Recht auf den Boden
leugnend, damit schließlich auch das gleiche Recht auf Leben und Freiheit
leugnet; daß ein Volk, welches um den Preis eines blutigen Krieges
den Sklavenbesitz abgeschafft hat, der Sklaverei in einer ausgedehnteren
und gefährlicheren Form Wurzel zu fassen erlaubte.
Der Kontinent schien so groß, das Gebiet, über welches sich die
Bevölkerung noch ergießen konnte, so ungeheuer, daß wir, an den
Gedanken des individuellen Grundbesitzes gewöhnt, dessen Ungerechtig
keit nicht erkannten. Denn nicht allein verhinderte dieser Hintergrund
von unbesiedeltem Lande, die volle Wirkung der privaten Aneignung
selbst in den älteren Teilen zu fühlen; sondern es schien auch nicht un
billig, jemanden mehr Land nehmen zu lassen, als er benutzen konnte,
um die später Kommenden zur Zahlung für die Benutzung zwingen
zu können, so lange andere genau dasselbe tun konnten, wenn sie etwas
weiter gingen. Ja noch mehr, das Vermögen, das aus der Aneignung
des Grund und Bodens entstand und so faktisch aus den auf den Arbeits
lohn gelegten Steuern gezogen wurde, erschien als eine dem Arbeiter
dargebotene Prämie und wurde auch als solche verkündet. In allen
neueren Staaten, und in starkem Maße selbst in den älteren ist die an
gesessene Grundaristokratie der Vereinigten Staaten noch in ihrer ersten
Generation. Die Leute, die aus der Werterhöhung des Landes Nutzen
zogen, sind großenteils Männer, die ohne einen geller angefangen
haben. Ihre großen vermögen, die sich vielfach hoch in die Millionen
belaufen, erscheinen ihnen und auch vielen anderen als die besten Be
weise der Gerechtigkeit der bestehenden sozialen Verhältnisse, unter
denen, wie ihnen scheint, Klugheit, Vorsicht, Fleiß und Sparsamkeit
ihre Belohnung fanden, während in Wahrheit diese Vermögen nur
die Gewinne des Monopols und notwendig auf Kosten der Arbeit
erworben sind. Aber die Tatsache, daß die so Bereicherten als Arbeiter
anfingen, verbirgt dies, und dasselbe Gefühl, welches dem Inhaber
eines Lotterieloses die Größe der Gewinne entzückend vorspiegelt,
hat selbst die Armen verhindert, sich gegen ein System zu rühren, welches
so viele Arme reich machte.
Kurz, das amerikanische Volk hat die Ungerechtigkeit des Privat
grundbesitzes nicht eingesehen, weil es bislang noch nicht dessen volle
Dirkungen gefühlt hat. Das öffentliche Gebiet, der große Umfang
des Landes, das noch dem privatbesitz zu überantworten war, das
ungeheure Gemeingut, auf das sich der Blick der Energischen lenkte,
war der Lsauxtumstand, der seit den Zeiten, wo die ersten Nieder
lassungen die atlantische Küste zu umsäumen begannen, unseren volks-
charakter gebildet und unsere nationalen Gedanken gefärbt hat. Nicht
Weil wir eine betitelte Aristokratie geflohen sind und das Lrftgeburts-
recht abgeschafft haben; nicht weil wir alle unsere Beamte vom Schul
direktor bis zum Präsidenten wählen; nicht weil unsere Gesetze im