Full text : Fortschritt und Armut

Kap.  V.

287

Vom  Grundbesitz  in  den  Vereinigten  Staaten.

Freiheit  und  Streben  nach  Glück  proklamiert,  unbedenklich  ein  Prinzip
annahm,  welches,  das  gleiche  und  unveräußerliche  Recht  auf  den  Boden
leugnend,  damit  schließlich  auch  das  gleiche  Recht  auf  Leben  und  Freiheit
leugnet;  daß  ein  Volk,  welches  um  den  Preis  eines  blutigen  Krieges
den  Sklavenbesitz  abgeschafft  hat,  der  Sklaverei  in  einer  ausgedehnteren
und  gefährlicheren  Form  Wurzel  zu  fassen  erlaubte.
Der  Kontinent  schien  so  groß,  das  Gebiet,  über  welches  sich  die
Bevölkerung  noch  ergießen  konnte,  so  ungeheuer,  daß  wir,  an  den
Gedanken  des  individuellen  Grundbesitzes  gewöhnt,  dessen  Ungerechtigkeit ­
  nicht  erkannten.  Denn  nicht  allein  verhinderte  dieser  Hintergrund
von  unbesiedeltem  Lande,  die  volle  Wirkung  der  privaten  Aneignung
selbst  in  den  älteren  Teilen  zu  fühlen;  sondern  es  schien  auch  nicht  unbillig, ­
  jemanden  mehr  Land  nehmen  zu  lassen,  als  er  benutzen  konnte,
um  die  später  Kommenden  zur  Zahlung  für  die  Benutzung  zwingen
zu  können,  so  lange  andere  genau  dasselbe  tun  konnten,  wenn  sie  etwas
weiter  gingen.  Ja  noch  mehr,  das  Vermögen,  das  aus  der  Aneignung
des  Grund  und  Bodens  entstand  und  so  faktisch  aus  den  auf  den  Arbeitslohn ­
  gelegten  Steuern  gezogen  wurde,  erschien  als  eine  dem  Arbeiter
dargebotene  Prämie  und  wurde  auch  als  solche  verkündet.  In  allen
neueren  Staaten,  und  in  starkem  Maße  selbst  in  den  älteren  ist  die  angesessene ­
  Grundaristokratie  der  Vereinigten  Staaten  noch  in  ihrer  ersten
Generation.  Die  Leute,  die  aus  der  Werterhöhung  des  Landes  Nutzen
zogen,  sind  großenteils  Männer,  die  ohne  einen  geller  angefangen
haben.  Ihre  großen  vermögen,  die  sich  vielfach  hoch  in  die  Millionen
belaufen,  erscheinen  ihnen  und  auch  vielen  anderen  als  die  besten  Beweise ­
  der  Gerechtigkeit  der  bestehenden  sozialen  Verhältnisse,  unter
denen,  wie  ihnen  scheint,  Klugheit,  Vorsicht,  Fleiß  und  Sparsamkeit
ihre  Belohnung  fanden,  während  in  Wahrheit  diese  Vermögen  nur
die  Gewinne  des  Monopols  und  notwendig  auf  Kosten  der  Arbeit
erworben  sind.  Aber  die  Tatsache,  daß  die  so  Bereicherten  als  Arbeiter
anfingen,  verbirgt  dies,  und  dasselbe  Gefühl,  welches  dem  Inhaber
eines  Lotterieloses  die  Größe  der  Gewinne  entzückend  vorspiegelt,
hat  selbst  die  Armen  verhindert,  sich  gegen  ein  System  zu  rühren,  welches
so  viele  Arme  reich  machte.
Kurz,  das  amerikanische  Volk  hat  die  Ungerechtigkeit  des  Privatgrundbesitzes ­
  nicht  eingesehen,  weil  es  bislang  noch  nicht  dessen  volle
Dirkungen  gefühlt  hat.  Das  öffentliche  Gebiet,  der  große  Umfang
des  Landes,  das  noch  dem  privatbesitz  zu  überantworten  war,  das
ungeheure  Gemeingut,  auf  das  sich  der  Blick  der  Energischen  lenkte,
war  der  Lsauxtumstand,  der  seit  den  Zeiten,  wo  die  ersten  Niederlassungen ­
  die  atlantische  Küste  zu  umsäumen  begannen,  unseren  volkscharakter
  gebildet  und  unsere  nationalen  Gedanken  gefärbt  hat.  Nicht
Weil  wir  eine  betitelte  Aristokratie  geflohen  sind  und  das  Lrftgeburtsrecht
  abgeschafft  haben;  nicht  weil  wir  alle  unsere  Beamte  vom  Schuldirektor ­
  bis  zum  Präsidenten  wählen;  nicht  weil  unsere  Gesetze  im
            
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