Full text : Fortschritt und Armut

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Das  Gesetz  des  menschlichen  Fortschrittes.

Buch  X.

sind  inr  inenschlichen  Geiste  ebenso  latent,  wie  die  Gabe  des  Laufens
inr  nrenschlichen  Körper,  aber  ich  glaube  nicht,  daß  sie  sie  besser  oder
schlechter,  schneller  oder  langsamer  machen  würden  als  die  in  gleiche
Lage  versetzten  Kinder  von  Wilden.  Es  seien  die  allerhöchsten  geistigen
Fähigkeiten  gegeben,  welche  außerordentliche  Menschen  je  entfaltet
haben,  aber  was  würde  aus  der  Menschheit  geworden  sein,  wenn  eine
Generation  von  der  nächsten  durch  einen  Zeitraum  getrennt  wäre,  wie
die  nur  alle  s?  Jahre  erscheinenden  Heuschrecken?  Ein  solcher  Zwischenraum ­
  würde  die  Menschheit  nicht  bloß  zur  Wildheit,  sondern  auf  einen
Zustand  zurückführen,  im  Vergleich  zu  welchem  die  Wildheit,  wie  wir
sie  kennen,  als  Zivilisation  erscheinen  würde.
Umgekehrt  nehme  man  an,  daß  eine  Anzahl  Kinder  von  wilden
ohne  Vorwissen  der  Mütter  (denn  auch  dies  wäre  nötig,  um  das  Experiment ­
  einwandfrei  zu  machen)  mit  ebenso  vielen  Kindern  Zivilisierter
vertauscht  würde,  können  wir  annehmen,  daß  sie  beim  Aufwachsen
irgendeinen  Unterschied  zeigen  würden?  Ich  glaube,  niemand,  der  viel
mit  verschiedenen  Völkern  und  Klassen  zu  tun  gehabt  hat,  wird  dies
annehmen.  Die  große  Lehre,  die  daraus  zu  ziehen  ist,  besagt,  daß  „die
menschliche  Natur  über  die  ganze  Erde  gleich  ist".  Und  diese  Lehre  ist
auch  aus  Büchern  zu  schöpfen.  Ich  rede  nicht  sowohl  von  den  Berichten
der  Reisenden,  denn  die  Schilderungen  der  Wilden  durch  die  zivilisierten
Leute,  welche  Bücher  schreiben,  sind  sehr  oft  derartige,  wie  sie  die  Wilden
von  uns  machen  würden,  falls  sie  im  Fluge  zu  uns  kämen  und  dann
Bücher  schrieben;  sondern  ich  rede  von  jenen  Denkmalen  des  Lebens
und  Denkens  anderer  Zeiten  und  anderer  Völker,  die,  in  unsere  heutige
Sprache  übertragen,  gleichsam  Schimmer  unseres  eigenen  Lebens
und  Strahlen  unseres  eigenen  Denkens  sind.  Das  Gefühl,  welches
sie  einflößen,  ist  das  der  wesentlichen  Gleichartigkeit  der  Menschen.
„Dies",  sagt  Lmanuel  Deutsch,  „ist  das  Ende  aller  Forschung  in  Geschichte ­
  und  Kunst.  Sie  waren  geradeso,  wie  wir  sind."
Es  gibt  ein  Volk,  das  in  allen  Teilen  der  Welt  zu  finden  ist  und
das  ein  gutes  Beispiel  dafür  liefert,  welche  Eigentümlichkeiten  der
erblichen  Übertragung  und  welche  der  Übertragung  durch  Assoziation
zuzuschreiben  sind.  Die  Juden  haben  die  Reinheit  ihres  Blutes  ängstlicher
und  viel  länger  bewahrt  als  irgendeine  der  europäischen  Rassen,  dennoch
möchte  ich  glauben,  daß  das  einzige  darauf  zurückzuführende  Merkmal
dasjenige  der  Physiognomie  ist,  und  selbst  dies  ist  in  Wirklichkeit  viel
weniger  ausgeprägt,  als  man  gewöhnlich  annimmt,  wie  jeder,  der  sich
die  Mühe  geben  will,  selbst  beobachten  kann.  Obgleich  sie  beständig
unter  sich  geheiratet  haben,  sind  die  Juden  doch  überall  durch  ihre  Umgebung ­
  beeinflußt  worden  —  die  englischen,  russischen,  polnischen,
deutschen  und  orientalischen  Juden  weichen  in  vielen  Beziehungen
voneinander  ebensosehr  ab  wie  die  Völker  dieser  Länder  selbst.
Dennoch  haben  sie  viel  miteinander  gemein  und  haben  überall  ihre
Individualität  bewahrt.  Die  Ursache  ist  klar.  Es  ist  die  hebräische  Religion
            
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