Full text : Fortschritt und Armut

Kap.  II.

Die  Unterschiede  in  der  Zivilisation.

36?

—  und  sicher  wird  die  Religion  nicht  durch  Zeugung,  sondern  durch
Assoziation  übertragen  —  die  überall  die  Eigentümlichkeit  der  hebräischen
Rasse  erhalten  hat.  Diese  Religion,  welche  auf  die  Rinder  kommt,  nicht
wie  ihre  physischen  Merkmale,  sondern  durch  Lehre  und  Gemeinschaft,
ist  nicht  bloß  in  ihren  Lehren  exklusiv,  sondern  hat  durch  Erzeugung
von  Argwohn  und  Haß  einen  mächtigen  äußeren  Druck  hervorgerufen,
der  noch  mehr  als  ihre  Vorschriften  aus  den  Juden  überall  einen  Staat
im  Staate  gemacht  hat.  So  waren  gewissermaßen  Mauern  um  sie  aufgebaut, ­
  innerhalb  deren  sich  ein  eigentümlicher  Charakter  entwickelte.
Das  jüdische  Unter-Sich-Heiraten  war  die  Wirkung,  nicht  die  Ursache
davon,  was  die  Verfolgung,  die  fast  soweit  ging,  jüdische  Rinder  ihren
Eltern  fortzunehmen  und  sie  außerhalb  ihrer  eigentlichen  Umgebung
zu  erziehen,  nicht  vollbringen  konnte,  wird  durch  die  verminderte  Stärke
des  religiösen  Glaubens  vollbracht  werden,  wie  dies  in  den  vereinigten
Staaten  schon  bemerkbar  ist,  wo  der  Unterschied  zwischen  Juden  und
Heiden  zusehends  verschwindet.
Es  scheint  mir  auch,  daß  der  Einfluß  dieses  sozialen  Netzes  oder
dieser  Umgebung  den  Umstand  erklärt,  der  so  oft  als  Beweis  von  Rasseunterschieden ­
  angesehen  wird  —  nämlich  den  Widerstand,  den  weniger
zivilisierte  Rassen  der  Annahme  höherer  Zivilisation  leisten,  und  die
Art  und  weise,  in  welcher  einige  dieser  Rassen  vor  der  Zivilisation  sozusagen ­
  wegschmelzen.  Genau  so  lange  wie  eine  einzige  soziale  Umgebung ­
  fortdauert,  macht  sie  es  auch  den  ihr  Unterworfenen  schwer  oder
unmöglich,  eine  andere  anzunehmen.
Der  chinesische  Charakter  ist  so  stabil  wir  irgendeiner.  Dennoch
eignen  sich  die  Chinesen  in  Ralifornien  amerikanische  Arbeits-  und
Handelsmethoden,  den  Gebrauch  von  Maschinen  usw.  mit  einer  Leichtigkeit ­
  an,  die  beweist,  daß  sie  keiner  Biegsamkeit  oder  natürlichen  Fähigkeit
ermangeln.  Daß  sie  sich  in  anderer  Beziehung  nicht  ändern,  liegt  an
der  chinesischen  Umgebung,  die  noch  fortdauert  und  sie  noch  umgibt,
lvenn  sie  von  China  kommen,  so  beabsichtigen  sie  dahin  zurückzukehren,
und  während  ihres  Aufenthaltes  in  Amerika  leben  sie  wie  in  einem
kleinen  China,  gerade  wie  die  Engländer  in  Indien  ein  kleines  England
behalten.  Nicht  bloß,  daß  wir  naturgemäß  Verkehr  mit  denen  suchen,
die  unsere  Eigenart  teilen  und  daß  so  Sprache,  Religion  und  Sitten  sich
erhalten,  wo  einzelne  sich  nicht  gänzlich  isolieren;  sondern  diese  Unterschiede ­
  rufen  auch  einen  äußeren  Druck  hervor,  der  zu  einer  derartigen
Assoziation  zwingt.
Diese  einleuchtenden  Gründe  erklären  vollständig  alle  die  Erscheinungen, ­
  welche  bei  dem  Aufeinandertreffen  einer  Rultur  und  einer
anderen  zutage  treten,  ohne  daß  man  zu  der  Theorie  der  eingewurzelten
Unterschiede  zu  greifen  braucht,  wie  die  vergleichende  Sprachwissenschaft ­
  bewiesen  hat,  ist  z.  B.  der  Hindu  von  gleicher  Rasse  wie  sein  englischer ­
  Eroberer,  und  die  Beispiele  einzelner  haben  sattsam  bewiesen,  daß,
wenn  er  vollständig  und  ausschließlich  in  englische  Umgebung  versetzt
            
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