Full text : Fortschritt und Armut

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Das  Gesetz  des  menschlichen  Fortschrittes.

Buch  X.

Gesellschaft  den  höheren  Organismen,  in  denen  die  Funktionen  und
Kräfte  spezialisiert  sind  und  jedes  Glied  wesentlich  von  den  anderen
abhängt.
Dieser  Prozeß  der  Integration,  der  Spezialisierung  der  Funktionen ­
  und  Kräfte  ist  jedoch  kraft  eines  der  tiefsten  Gesetze  der  menschlichen ­
  Natur  von  einer  beständigen  Neigung  zur  Ungleichheit  begleitet.
Ich  verstehe  darunter  nicht,  daß  die  Ungleichheit  das  notwendige  Ergebnis,
sondern  die  beständige  Tendenz  der  sozialen  Entwicklung  ist,  wenn  nicht
Änderungen  in  den  sozialen  Einrichtungen  getroffen  werden,  welche  in
den  durch  die  Entwicklung  hervorgebrachten  neuen  Verhältnissen  die
Gleichheit  verbürgen.  Ich  meine,  daß,  sozusagen,  das  Kleid  von  Gesetzen,
Sitten  und  politischen  Einrichtungen,  welches  jede  Gesellschaft  für  sich
webt,  beständig  zu  eng  wird,  je  mehr  sich  die  Gesellschaft  entwickelt.
Ich  meine,  daß  der  Mensch,  je  mehr  er  fortschreitet,  sich,  sozusagen,
durch  ein  Labyrinth  hindurchzuwinden  hat,  in  welchem  er  sich,  gerade
ausgehend,  unfehlbar  verirren  würde,  und  durch  welches  nur  Vernunft
und  Gerechtigkeit  ihn  auf  dem  rechten  Pfade  halten  können.
j  Denn  während  die  mit  der  Entwicklung  Hand  in  Hand  gehende
Integration  an  sich  geistige  Kraft  frei  macht,  um  den  Fortschritt  herbeizuführen, ­
  wird  sowohl  durch  die  Zunahme  der  Bevölkerung  als  auch
durch  die  zunehmende  Verwicklung  der  sozialen  Organisation  eine
Gegenwirkung  erzeugt,  die  einen  Zustand  der  Ungleichheit  hervorbringt,
wodurch  geistige  Kraft  verschwendet  und  im  weiteren  verfolge  dem  Fortschritt ­
  Einhalt  geboten  wird.
Dem  Gesetze,  welches  sonach  zugleich  mit  dem  Fortschritt  die  denselben ­
  aushaltende  Kraft  entwickelt,  bis  zu  seinem  höchsten  Ausdrucke
nachzuspüren,  würde  meines  Erachtens  die  Lösung  eines  tieferen  Problems, ­
  als  das  der  Entstehung  des  materiellen  Weltalls  —  des  Problems
der  Entstehung  des  Übels  vorbereiten,  Hier  muß  ich  mich  damit  begnügen, ­
  auf  die  Art  und  weife  hinzudeuten,  in  welcher  mit  der  Entwicklung ­
  der  Gesellschaft  Tendenzen  auftreten,  welche  diese  Entwicklung ­
  hemmen.
Zunächst  wird  es  jedoch  gut  sein,  zwei  Eigenschaften  der  menschlichen ­
  Natur  in  Erinnerung  zu  bringen.  Die  eine  ist  die  Macht  der
Gewohnheit  —  die  Neigung  beim  Alten  zu  beharren.  Die  andere  ist
die  Möglichkeit  geistiger  und  moralischer  Entartung.  Die  Wirkung  der
ersteren  in  der  sozialen  Entwicklung  ist  die,  Gewohnheiten,  Gebräuche,
Gesetze  und  Ordnungen,  lange  nachdem  sie  ihren  ursprünglichen  Nutzen
eingebüßt  haben,  zu  erhalten,  und  die  Wirkung  der  anderen  ist,  die
Entwicklung  von  Einrichtungen  und  Denkweisen  zu  gestatten,  gegen
die  die  normalen  Anschauungen  der  Menschen  sich  instinktmäßig  empören.
Die  Entstehung  und  Entwicklung  der  Gesellschaft  zielt  aber  nicht
bloß  darauf  ab,  einen  joden  immer  mehr  von  allen  abhängig  zu  machen
und  den  Einfluß  der  einzelnen  auch  auf  ihre  eigene  Lage  im  Vergleich
zu  dem  Einflüsse  der  Gesellschaft  zu  vermindern,  sondern  die  Wirkung
            
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