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Schluß.
eine Zeit, in der das in sich zusammenfallende Sonnensystem sich in
Gasform auflösen wird, um aufs neue unermeßliche Wandelungen
anzufangen.
was ist denn nun die Bedeutung des Lebens, des absolut und
unvermeidlich vom Tode begrenzten Lebens? Mir scheint es nur als
Aufgang und Vorhalle eines anderes Lebens verständlich. Und seine
Tatsachen scheinen nur nach einer Theorie erklärlich, die nur in Mythe
und Symbol ausgedrückt werden können, und der die Mythen und Sym
bole, in denen die Menschen ihre tiefsten Empfindungen wiederzugeben
versuchten, überall und zu allen Zeiten in irgendeiner Form Ausdruck
verleihen.
Die heiligen Schriften der Menschen, die gekommen und gegangen
sind, die Bibeln, Zend Aveftas, Vedas, Dhammapadas und Korans,
die geheimnisvollen Lehren alter Philosophien, die innere Bedeutung
grotesker Religionen, die dogmatischen Grundlagen ökumenischer Kon
zilien, die Predigten der Fox, der wesley, der Savonarola, die Über
lieferungen der roten Indianer, und der Glaube der Neger haben ein
Herz und einen Kern, in welchem sie übereinstimmen, ein Etwas, das den
mannigfach verzerrten Auffassungen einer ursprünglichen Wahrheit
gleichsieht. Und aus der Kette der Gedanken, welche wir verfolgt haben,
scheint sich unbestimmt ein Lichtstrahl dessen zu erheben, was sie unbestimmt
sahen — ein schattenhafter Strahl schließlicher Verbindungen, die,
wenn man ihm Ausdruck zu geben sucht, unvermeidlich Bilder und
Allegorien notwendig machen: ein Garten, in welchem die Bäume
des Guten und des Übels stehen; ein Weinberg, in welchem des Herrn
Arbeit zu tun ist, ein Übergang vom Leben hienieden zum jenseitigen
Leben; eine Prüfung und ein Kampf, von dem wir das Ende nicht ab
sehen können.
Man blicke um sich.
Siehe da! Hier, jetzt, in unserer zivilisierten Gesellschaft haben
die alten Allegorien noch einen Sinn, sind die alten Mythen noch wahr.
In das Tal der Schatten des Todes leitet noch oft der Pfad der Pflicht,
durch die Straßen des Litelkeitmarktes gehen Christian und Glaubrecht
und auf Großherz' Rüstung hallen die schallenden Hiebe wieder. Noch
immer kämpft Grmuzd mit Ahriman, der Fürst des Lichtes mit den
Mächten der Finsternis, wer nur hören will, dem rufen die Schlacht
trompeten.
wie sie rufen und rufen und rufen, bis das Herz schwellt, das
sie hört! Starke Seele und hohes Bemühen braucht die Welt heute.
Die Schönheit liegt noch gefangen und eiserne Räder gehen über das
Gute und wahre und Schöne hinweg, das aus so vieler Menschen Leben
entspringen könnte.
Und die an Grmuzd Seite kämpfen, ob sie sich auch einander nicht
kennen mögen —irgendwo, irgendwann wird die Musterrolle aufgerufen
werden.