Industrie.
Baumwollkultur. sehr geeignet sind. Es fehlt also hier die
glückliche Wechselwirkung zwischen industrieller Verarbeitung
und Stofferzeugung, wie wir sie bei den landwirtschaftlichen
Industrien sahen. Da nun der Handel mit den einzuführen-
den Rohstoffen in ausländischen Händen liegt, die Absatz-
gewinne der Industrien, sofern diese in fremdem Besitz sind,
ebenfalls den fremden Fabrikanten zufließen, so bleibt von
diesen Industrien, von der jeweiligen Besteuerung abgesehen,
den betreffenden Ländern nur ein sehr geringer Nutzen. Der
schwache Bedarf des Inlandsmarktes und der Wettbewerb
verhindern eine rasche Ausdehnung der Betriebe, den Über-
Schüssen der Besitzer fehlt also häufig eine genügende Ver-
wendung und sie gehen deshalb, falls sie im Inlande eine
nutzbringende Anlage nicht finden, ins Ausland, meist in die
großen europäischen und nordamerikanischen Betriebe, von
denen die südamerikanischen oft nur Abzweigungen sind.
Der einzige wirkliche Nutzen, den die lateinisch-ameri-
kanischen Länder von einer Zunahme -der Industrie, auch
durch fremde Unternehmer haben, ist, da die Inlandswaren
nicht billiger sind als die ausländischen, die Vermehrung
der Zolleinnahmen für die eingeführten Rohstoffe.
Wenn bei der Zollpolitik dieser Länder so häufig der Schutz
der nationalen Industrie betont wird, so liegt darin eine be-
wußte Verschleierung des Wesens dieser Zölle. Die Staaten
brauchen Geld, und darum tragen ihre Zölle in erster Linie
den Charakter von -Staatseinnahmen und. als Nebenwirkung
den des Schutzes der Industrie. Diese ist ja größtenteils
nicht national, sondern nur im Inlande, aber von Aus-
ländern betrieben; die Erschwerung der Einfuhr ausländischer
Fertigfabrikate kommt also der ausländischen, im Inlande
angesessenen Industrie zugute, sofern diese nicht auch durch
die ungerechtfertigten Zollsätze für Rohstoffe und dann, wie
früher gezeigt, durch die Abnahme des Verbrauchs, die sich
im Gefolge der Zollerhöhungen durch Preissteigerungen ein-
stellt, geschädigt wird.
Eine Anderung dieses Zustandes könnte dadurch herbei-
geführt werden, daß für einen Teil der Produktion mit dem
System der Kultivation gebrochen und die für die Erzeugung
nahezu sämtlicher Bodengewächse geeigneten und an natür-
lichen Schätzen so unendlich reichen Länder die Fabriken
selbst mit allen Rohstoffen versorgten, wodurch, auch wenn
die Industrie noch lange in den Händen von Ausländern
bliebe, diese wenigstens dadurch dem betr. Lande einen er-
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