Full text : Fortschritt und Armut

Kap.  II.

Der  Sinn  der  Ausdrücke.

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Mensch,  der  auf  eine  Znsel  ausgeworfen  wurde,  die  kein  menschlicher
Fuß  zuvor  betreten,  kann  Vogeleier  sammeln  oder  Beeren  pflücken.
Oder  wenn  ich  ein  Stück  Leder  nehme  und  verarbeite  es  zu  einem
paar  Schuhe,  so  sind  die  Schuhe  mein  Lohn  —  der  Lohn  meiner  Anstrengung. ­
  Sicherlich  ist  er  nicht  dem  Kapital  entnommen  —  weder
aus  dem  meinigen,  noch  auch  sonst  jemandes  Kapital  —  sondern  er
ist  durch  die  Arbeit  entstanden,  deren  Lohn  sie  werden,  und  indem  ich
dieses  Paar  Schuhe  als  den  Lohn  meiner  Arbeit  erhalte,  wird  das
Kapital  selbst  momentan  nicht  auch  nur  um  ein  3oia  vermindert.  Denn
wenn  wir  uns  den  Begriff  des  Kapitals  vergegenwärtigen,  so  bestand
dasselbe  zu  Ansang  aus  dem  Stück  Leder,  dem  Zwirn  rc.  Ze  mehr
meine  Arbeit  vorschreitet,  wird  der  Wert  beständig  vermehrt,  bis  ich,
wenn  sie  die  fertigen  Schuhe  ergibt,  mein  Kapital  habe,  plus  dem
Wertunterschied  zwischen  dem  Material  und  den  Schuhen.  Wenn
ich  diesen  Mehrwert  —  meinen  Lohn  —  erhalte,  inwiefern  wäre  dabei
zu  irgendeiner  Zeit  dem  Kapital  etwas  entnommen?
Adam  Smith,  der  dem  nationalökonomischen  Denken  die  Richtung
gab,  welche  schließlich  zu  den  jetzigen  gelehrten  Theorien  über  das  Verhältnis ­
  zwischen  dem  Lohn  und  dem  Kapital  führte,  erkannte  an,  daß
in  solchen  einfachen  Fällen  wie  in  den  angeführten  der  Lohn  das  Ergebnis ­
  der  Arbeit  ist,  und  beginnt  daher  sein  Kapitel  über  den  Arbeitslohn ­
  (Kapitel  VIII.)  folgendermaßen:
„Das  Produkt  der  Arbeit  bildet  den  natürlichen  Ersatz  oder  Lohn
der  Arbeit.  j)u  jenem  ursprünglichen  Zustande,  der  sowohl  der  Aneignung  des
Grund  und  Bodens  als  der  Anhäufung  von  vermögen  voraufgeht,  gehört  der  ganze
Arbeitsertrag  dem  Arbeiter.  Er  hat  weder  einen  Grundherrn  noch  einen  Arbeitgeber, ­
  um  mit  ihnen  zu  teilen."
Pätte  der  große  Schotte  dies  zum  Ausgangspunkt  seiner  Ausführungen ­
  genommen  und  fortgefahren,  den  Arbeitsertrag  als  den
natürlichen  Arbeitslohn,  den  Grundbesitzer  und  Arbeitgeber  dagegen
nur  als  die  Linzieher  eines  Anteils  anzusehen,  so  würden  seine  Folgerungen ­
  ganz  andere  gewesen  sein,  und  die  Nationalökonomie  würde
heute  nicht  solche  Mengen  von  Widersprüchen  und  Absurditäten  enthalten; ­
  aber  anstatt  der  bei  einfachen  Produktionsverhältnissen  augenscheinlichen ­
  Wahrheit  als  Leitfaden  durch  den  Wirrwarr  der  verwickelteren
  Formen  zu  folgen,  erkennt  er  sie  nur  einen  Augenblick  an,  um  sie
dann  sofort  zu  verlassen,  und  indem  er  bemerkt,  daß  „in  allen  Teilen
Europas  zwanzig  Arbeiter,  die  unter  einem  Arbeitgeber  dienen,  erst
auf  einen  kommen,  der  unabhängig  ist",  beginnt  er  die  Untersuchung
noch  einmal  von  einem  Gesichtspunkte,  von  dem  aus  der  Arbeitgeber
als  derjenige  erscheint,  der  den  Lohn  seiner  Arbeiter  aus  seinem  Kapital
beschafft.
Es  ist  augenscheinlich,  daß  Adam  Smith,  indem  er  das  Verhältnis
der  auf  eigene  Rechnung  beschäftigten  Arbeiter  auf  nur  h  zu  20  annahm, ­
  nur  die  Handwerker  im  Sinne  hatte,  und  daß  unter  der  Gesamt-
            
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