60 Arbeitslohn und Kapital. Buch I.
Geld häufiger wurde, drängle dessen bessere Verwendbarkeit, welche
die Mühe und den Verlust des lviegens ersparte, den Goldstaub auf
den Rang einer Ware zurück, und der Arbeitgeber bezahlte seine Leute
mit der Münze, welche er durch den verkauf des durch ihre Arbeit
herbeigeschafften Goldstaubes erhalten hatte, Hatte er Münze genug,
um den Lohn zu zahlen, so behielt er seinen Goldstaub, anstatt ihn an
den nächsten Händler zu verkaufen und demselben dafür einen Nutzen
zu zahlen, bis er genug zusammen hatte, um eine Tour nach San Fran-
zisko zu machen oder die Ware per Expreß dorthin zu senden, wo er
dafür in der Münze ohne Rosten geprägtes Geld haben konnte, während
er so Goldstaub ansammelte, verminderte er seinen Geldvorrat, gerade
wie der Fabrikant sein Warenlager anhäuft, während er seinen Geld
vorrat verringert. Dennoch würde niemand so schwachköpfig sein an
zunehmen, daß der Unternehmer damit, daß er Goldstaub einnahm
und Münze ausgab, sein Kapital verminderte.
Aber die Lager, die ohne vorherige Arbeit ausgenutzt werden
konnten, waren bald erschöpft, und das Goldgraben wurde eine um
ständlichere Sache. Ehe eine Mine so weit erschlossen werden konnte,
daß sie einen Ertrag lieferte, mußten tiefe Schachte gegraben, große
Dämme gebaut, lange Tunnels durch den härtesten Fels gebohrt, Wasser
meilenweit über Bergrücken und tiefe Täler geführt und teure Ma
schinen aufgestellt werden. Diese Arbeiten konnten nicht ohne Kapital
ausgeführt werden. Bisweilen erforderte ihre Vollendung Jahre,
während welcher kein Ertrag zu erhoffen war, obgleich den beschäftigten
Leuten ihre Löhne jede Woche oder jeden Monat gezahlt werden mußten.
Zn solchen Fällen, wenn auch in keinen anderen, kommen, wird man
sagen, die Löhne sicherlich in Wahrheit aus dem Kapital, werden wirklich
vom Kapital vorgeschossen und müssen durch ihre Auszahlung not
wendig das Kapital verringern. Sicherlich wird wenigstens hier der
Gewerbfleiß durch das Kapital begrenzt, denn ohne Kapital könnten
solche Arbeiten nicht durchgeführt werden. Sehen wir zu.
Fälle dieser Art sind es stets, welche man als Beweis anführt,
daß die Löhne vom Kapital vorgeschossen werden. Denn wo Löhne
bezahlt werden, ehe der Zweck der Arbeit erreicht oder vollendet ist —
wie beim Ackerbau, wo jdflügen und Säen dem Einbringen der Ernte
viele Monate vorhergehen müssen, wie ferner bei dem Bau von Gebäuden,
Schiffen, Kanälen, Eisenbahnen rc. — da ist es klar, daß die Eigner des
in den Löhnen verausgabten Kapitals keinen unmittelbaren Ertrag
erwarten können, sondern dasselbe für eine Zeit, die oft auf Zahre
hinausläuft, wie man zu sagen pflegt, „auslegen" müssen. Und werden
da nicht die Grundprinzipien im Auge behalten, so ist es leicht, in den
Schluß hineinzugleiten, daß die Löhne vomKapital vorgeschossen werden.
Aber solche Fälle werden den Leser, dem ich im vorausgehenden
verständlich geworden bin, nicht verwirren. Eine leichte Zergliederung
wird zeigen, daß die Fälle, wo die Löhne bezahlt werden, ehe das