Full text : Wirtschaft als Leben

74

,Der  Wertgedanke“,

Dieses  höchst  auffällige  Überwiegen  der  Wertkunde  im  Rahmen
des  Neumannschen  „Beitrags  zur  Wertlehre“  deutet  auf  ein  Verhältnis ­
  hin,  das  uns  in  Anbetracht  der  bezüglichen  erkenntnistheoretischen ­
  Untersuchungen  Neumanns  durchaus  verständlich  würde,  und
sich  dahin  kennzeichnen  ließe,  daß  Neu  mann  eigentlich  schon  auf
halbem  Wege  ist,  sich  vom  Wertgedanken  loszusagen.  Bei
allem  Interesse,  das  wir  in  diesem  Zusammenhänge  einem  solchen
Faktum  entgegenbringen  müssen,  würde  es  doch  viel  zu  weit  führen,
dabei  über  bloße  Andeutungen  hinauszugehen.  Auch  fehlt  es  für  den
gültigen  Nachweis  dieses  Faktums  hier  noch  an  den  nötigen  Vorbedingungen. ­
  Denn  es  bedürfte  dazu  nicht  bloß  einer  scharfen  Analyse*
der  Neumannschen  „Werttheorie“,  sondern  auch  seiner  „Preistheorie“, ­
  und  ganz  besonders  des  Verhältnisses  zwischen  beiden.  Hier
aber  will  ich  nur  zwei  Dinge  hervorheben.
Es  wäre  zunächst  irrig,  einen  (unbewußten)  Widerspruch  Neumanns
  gegen  den  Wertgedanken  heraushören  zu  wollen,  wenn  er
sagt:  „Jedem  aber  —  so  wurde  es  in  der  Neuzeit  Sitte  —  war  der
von  ihm  ins  Auge  gefaßte  Wert:  „der  Wert“,  neben  dem  wie  selbstverständlich ­
  kein  anderer  in  Betracht  kam.  Nur  „einen  Wert“  gab  es.
Und  das  war  Jedem  derjenige,  zu  welchem  gerade  seine  besondere
Auffassung  des  überlieferten  Sprachgebrauches  oder  das  spezielle  Interesse
der  Dinge,  mit  denen  er  sich  beschäftigte,  geführt  hatte.  Jede  andere
Auffassung  war  verkehrt,  und  vor  ihr  die  Augen  zu  schließen,  ebenso
„natürlich“  als  bequem  und  Mühe  sparend“  (a.  a.  O.  S.  127).  Was
Neu  mann  hier  bekämpft,  ist  strenggenommen  nur  das  Absehen  von
der  gewissen  Zusatzfrage,  also  nur  die  Versündigung  gegen  die  Wertkunde.
  Nicht  dem  Wertgedanken  ist  da  widersprochen!  Denn  im
Wertgedanken  liegt  es  keineswegs,  daß  unter  „Wert“  Einfaches,
seiner  Artung  nach  gemeint,  zu  erledigen  sei;  es  kann  ebensogut  Vielfaches, ­
  ein  Vielerlei  sein,  jedoch  für  jedermann  das  nämliche  Einfache ­
  oder  auch  das  nämliche  Vielfache.
Aber  gerade  diese  Nämlichkeit  des  unter  „Wert“  zu  Erledigenden ­
  scheint  Neumann  nicht  vorhanden  zu  sehen.  Er  geht  damit
gleichsam  über  den  Wertgedanken  zur  Tagesordnung  über,  wenn  er
die  Antworten  auf  die  Frage  „Was  ist  der  Wert?“,  die  von  den  verschiedenen ­
  „Werttheorien“  geliefert  werden  und  sich  im  Geiste  des
Wertgedankens  untereinander  grundsätzlich  ausschließen,  als  ebenso
viele  „Auffassungen  des  Wertes“  in  einem  duldsamen  Nebeneinander ­
  sieht,  von  denen  er  die  eine  oder  die  andere  rein  der
Tatsache  nach,  weil  sie  seiner  Anschauung  gemäß  nicht  die  „Anerkennung ­
  in  der  Wissenschaft“  verdiene,  zurückweist!  So  wendet  er
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.