Full text : Wirtschaft als Leben

Über  die  „Grundbegriffe“  IV.

IOI

Worte  besteht.  Allein,  ein  solcher  Anhalt  ist  um  so  mehr  geboten,
weil  unserem  Denken  besonders  hier  die  herkömmlichen  Anschauungen
gleichsam  zur  schiefen  Ebene  werden.  Denn  zur  sofortigen  und  endgültigen ­
  Erklärung  jener  Vielverwendung,  dazu  liegt  uns  eben  das
Wörtlein  „Grundbegriffe“  auf  der  Zunge  1  Der  Zwang  zur  Verwendung
wäre  dann  offenbar  nur  das  stille,  vom  Denken  kaum  berührte  Mittelglied ­
  der  Erklärung;  die  letztere  würde  darüber  hinausschießen,  über
das  Erfahrbare  zum  Vorwissen.  Ob  nämlich  hinter  jenen  Worten
„Grundbegriffe“  stehen,  oder  etwa  „Grunderscheinungen“,  oder  „Grundtatsachen“, ­
  oder  was  immer,  das  muß  im  wesentlichsten  Sinne  offene
Frage  bleiben.  Die  Artgemeinschaft  der  Eingeborenen  Fachausdrucke
hat  sich  trotzdem  feststellen  lassen.  Sonst  läge  mit  ihr  auch  kein
Verhältnis  der  bloßen  Worte  vor.  Darauf  komme  ich  weiter  unten
nochmals  zurück.
Der  Zwang  zur  Verwendung  dieser  Worte  ist  natürlich  nicht  so
zu  verstehen,  als  würde  erst  durch  ihn  nationalökonomisches  Denken
in  Bewegung  kommen.  Damit  dieser  Zwang  in  Kraft  treten  kann,
muß  sich  nationalökonomisches  Denken  schon  betätigen.  Nichts  ist
natürlicher,  als  daß  eine  Verwendung  dieser  Worte  immer  nur  im
Wege  wissenschaftlicher  Tat  erfolgen  kann.  Allein  eben  nicht  erst
durch  die  Tat,  sondern  gleichsam  mit  der  Tat;  zu  der  einmal  die
Wissenschaft  immer  schon  unter  Verwendung  solcher  Worte  geschritten
war.  Darin  bringt  sich  jener  Zwang  zur  Geltung.
Anders  steht  es  um  jenen  Gebrauch  dieser  Worte,  um  den  sich
ihre  Vielverwendung  in  der  späteren  Nationalökonomie  noch  steigert.
Man  denke  an  das  Heer  der  „Werttheorien“,  der  „Kapitaltheorien“  usw.
Es  liegt  nahe,  und  wird  im  Weitergang  noch  klarer  werden,  daß  ganze
Reihen  tätiger  Eingriffe  des  wissenschaftlichen  Denkens  vorausgehen
müssen,  ehe  es  dazu  kommt,  daß  die  Forschung  diese  Worte  als  Sprachzeichen
  behandelt,  unter  denen  ihr  ebenso  viele  Gegenstände  zur  Erledigung ­
  vorgesetzt  wären.  Bei  diesem  Hergang  wachsen  eben  die
Eingeborenen  Fachausdrücke  zu  Leitworten  der  Forschung  aus.  Wenn
diese  Worte  als  Leitworte  verwendet  werden,  so  hängt  dies  also  an
einem  tätigen  Hinzutun  des  wissenschaftlichen  Denkens;  dazu  muß  sich
mit  des  letzteren  Weiterlauf  erst  jener  gute  Glaube  herausgebildet  haben.
Jener  Zwang  dagegen,  die  nämlichen  und  mehr  Worte  als  Fachausdrücke ­
  zu  verwenden,  ist  von  der  Wurzel  an  da,  und  setzt  für  sein
eigenes  Walten  nur  ein  uneigentliches  Hinzutun,  nur  ein  Dulden  des
wissenschaftlichen  Denkens  voraus.  Dem  letzteren  widerfährt  gleichsam
der  Gebrauch  dieser  Worte-  und  dies  bei  allen  Arten  und  Weisen
seiner  Betätigung.
            
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