Full text : Wirtschaft als Leben

Über  die  „Grundbegriffe“  V.

107

absehbar.  Dieses  Verhältnis  der  bloßen  Worte  stellt  eben  nur  das
Außen,  gleichsam  nur  die  Schale  eines  Sachverhaltes  vor,  der  in  irgendeiner ­
  Form  für  die  Pflege  der  nationalökonomischen  Wissenschaft  in
Kraft  steht.  Der  Kern  dieses  Sachverhaltes  ruht  im  Schoße  des
nationalökonomischen  Denkens,  und  hat  an  dessen  Eigenart  teil,  soweit
die  letztere  von  dem  Verhältnisse  dieses  fachlichen  Denkens  zum  Worte
abhängig  erscheint.
Dieser  ganze  Sachverhalt,  Kern  und  Schale,  steht  jedenfalls  als
der  eine  und  ungeteilte  in  Wirklichkeit.  Wenn  er  vom  erkennenden
Denken  statt  nach  Schale  und  Kern  nach  Tatbestand  und  Erklärung
in  sich  zerfällt  wird,  dann  ist  dies  eben  nur  vom  Boden  einer  Kritik
aus  möglich,  die  ihrer  Art  nach  vorerst  an  die  Außenseite  dieses
Sachverhaltes  stoßen  muß,  an  jenes  Verhältnis  der  bloßen  Worte.  In
der  Tat  macht  es  die  besondere  Art  dieser  Kritik  aus,  daß  sie  gleichsam
von  außen  in  die  Nationalökonomie  hineinsieht;  mit  jener  sehenden
Unbefangenheit,  die  nichts  im  voraus  wissen  will,  an  Stelle  der  blinden
Unbefangenheit  des  Laien.
Anmerkung.  Hier  am  Rande  sei  noch  ein  anderer  Weg  angedeutet,
nach  dem  Sachverhalt  hin  offen,  der  von  der  Kritik  nur  als  der  sachliche
Hintergrund  der  Eingeborenen  Fachausdrücke  in  Betracht  genommen  wird.
Dieser  Sachverhalt  wächst  aus  der  Eigenart  des  nationalökonomischen  Denkens
hervor.  Das  läßt  erkennen,  daß  man  auf  ihn  auch  von  Untersuchungen  her
stoßen  muß,  die  sich  gleichsam  den  Ersten  Fragen  der  Nationalökonomie
zuwenden:  Fragen  etwa,  wie  nationalökonomische  Erkenntnis  überhaupt
möglich  sei,  wie  das  nationalökonomische  Denken  nach  Gegenstand  und
Hergang  beschaffen  sei,  und  so  fort.  Übrigens  stehen  diese  Fragen  nur  für
das  selbstbesonnene  Denken  am  Anfänge;  denn  jenes  Denken,  mit  dem  die
Wissenschaft  wild  aufgewachsen  ist,  bewegt  sich  immer  schon  auf  dem  Boden
einer  unbewußten  und  ungeprüften  Lösung  dieser  Fragen.
Gelangt  das  erkennende  Denken  auf  diesem  anderen  Wege  vor  den  bewußten ­
  Sachverhalt,  dann  werden  die  Tatbestände,  aus  denen  er  gefügt
erscheint,  offenbar  in  der  verkehrten  Reihenfolge  ermittelt.  Keiner  dieser
zusammenhängenden  Tatbestände  wird  dann  als  solcher  ermittelt,  der  erst
aus  einem  anderen  wieder  zu  „erklären“  wäre.  Vielmehr  läßt  sich  dann  jeder
später  Ermittelte  aus  dem  Früheren  als  dessen  Folge  ableiten.  Zuletzt  ergäbe
sich  dann  jener  Zwang  zur  vergleichsweisen  Vielverwendung  bestimmter
Worte,  als  äußerster  Ausläufer  des  ganzen  Sachverhaltes.  Dieser  wäre  dann
eben  nicht  bei  seiner  Schale  erfaßt,  sondern  gleich  in  seinem  Kern.
So  führen,  im  Grundsätze  genommen,  zwei  Wege  nach  dem  Sachverhalt,
dessen  Annahme  sich  hier  aufzwingt,  dessen  Form  aber  dahinstehen  darf.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.