Über die „Grundbegriffe“ VII.
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stichfest ist. Das letztere schließt ja als unbewußten Kern in sich, daß der
Laie sozusagen von Natur aus nationalökonomisch denke. Nun, wenn auch
eine Sonderung in der einen Richtung unbedingt gilt, so erscheint der Verstoß
gegen sie doch verzeihlicher, sobald die nämliche Sonderung in der anderen
Richtung nur bedingte Geltung hat. Es ist aber so, daß der National
ökonom nie ganz aufhören kann, laienhaft zu denken, wo
immer die vielberufenen Worte aufs Tapet kommen. Eben
weil es die Leibworte eines bestimmten Bezirkes der Alltäglichkeit sind, und
auch der Nationalökonom nun einmal Fachmann dieses täglichen Lebens
bleibt. Er kann nicht aus seiner Haut heraus, und das ist die nämliche
Haut, die er im Alltagsleben zu Markte tragen muß. So kommt jene
Personalunion zweierlei Denkens zur Geltung, die für diese ganzen
Verhältnisse von der höchsten Tragweite ist. Über die gleichen Worte hin
über, deren Gebrauch zu einem äußerlichen Bande zwischen hüben und drüben
wird, wirbeln da zwei ganz verschiedene Denkweisen ineinander. Hüben
das wissenschaftliche Denken, wie es sich mit der Entwicklung der National
ökonomie zu sich selber erzogen hat; drüben das außerwissenschaftliche
Denken, wie es im täglichen Handeln urwüchsig lebt und webt.
Es ist nicht immer möglich, bei einem Tatbestand, der selber eitel
Verwicklung ist, der verschlungenen Spur seiner Folgen nachzugehen. Aber
wenn sich der Zusammenhang auch nicht überall klären läßt, so ist doch
kein Zweifel, daß von dem Seltsamen, auf das die Kritik noch stoßen wird,
vieles auf die Rechnung jener merkwürdigen Verwicklung kommt. Die
letztere, und wenigstens in solchem Grade, kehrt bei keiner anderen Erfahrungs
wissenschaft wieder So können auch Zustände, die vielleicht in den meisten
anderen Wissenschaften nicht anders liegen, für die Nationalökonomie doch
von einem ausnehmenden Belang sein. Das wird sich in späterer Folge
uoch besser übersehen lassen. Aber ein Streiflicht voraus, nur in einer
einzelnen Hinsicht, wird der Sache recht gut bekommen.
Den Nationalökonomen bringt freilich nur sein fachliches Denken
dazu, daß er die vielberufenen Worte vor sich sieht; das will sagen, ausgelöst
aus den sprachlichen Zusammenhängen, hinter denen sie sonst verborgen
bleiben. Dem außerwissenschaftlichen Denken fiele es ja gewiß
nicht bei, unter den Ausdrücken, die ihm dienstbar werden, zu sichten und
zu ordnen. Allein, einmal Auge in Auge mit ihnen, überkommt insgeheim
auch den Nationalökonomen der laienhafte Eindruck, der von diesen Worten
so wuchtig ausgeht. Was es aber besagen kann, daß uns allen der Laie
im Nacken sitzt, sobald nur eines jener Worte auftaucht, das will ich nun,
halb im Vorgriff nach späteren Ergebnissen, an einer wichtigen Angelegenheit
verdeutlichen.
Es handelt sich um die Entwicklung, die den Eingeborenen Fach