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,Die Herrschaft des Wortes“,
ausdruck zu einem richtigen Leitwort der Forschung werden läßt;
das tritt von Wort zu Wort in sehr verschiedenem Grade ein, bei einzelnen
Worten aber in einem sehr hohen. In Gang gebracht wird diese Entwicklung
sicher nicht durch jenen laienhaften Eindruck; das hieße ja nur in den oben
zergliederten Denkfehler verfallen. Es kann diese Entwicklung nur mit jenem
Gebaren des wissenschaftlichen Denkens anheben, aus dem ich später dann
erklären will, wie diese Worte aus dem Dunkel der Sprache hervortreten.
Dieses Gebaren trägt aber den steigenden Anreiz zu seiner Wiederholung in
sich, und dadurch nährt es auch jene Entwicklung. Um es kurz und unver
blümt zu sagen: Definitionen und kein Ende! So bildet sich die „Lehre“
heraus, hier im engeren Sinne gemeint. Ihre Pflege, die mit den Definitionen
anhebt, findet schließlich an dem bloßen Definieren kein Genüge mehr; unter
begleitenden und mithelfenden Umständen, die aber hier nichts zur Sache
tun, reihen sich in der weiteren Folge die „Theorien“ an. Mittlerweile tritt
nun das ein, worauf ich hier den Nachdruck lege. Dank seiner fortwährenden
Reibung mit dem wissenschaftlichen Denken, das immer nachsinnlicher über
diesem Worte verweilt, rückt das letztere in immer helleres Licht; nebenbei
gesagt, muß sich zugleich die Vorstellung, daß auch dieses Wort einst im
Dunkel der Sprache verborgen lag, unserem Denken mehr und mehr ent
fremden. Je heller beleuchtet, je deutlicher uns aber das Wort vor Augen
tritt, desto zugänglicher werden wir jenem laienhaften Eindruck. Überdies
hat die Art, in der nun einmal definiert wird, schließlich den Erfolg, daß
uns ein bestimmtes Wort auch schon für einen bestimmten Gegen
stand gut wird; der als der Eine und nämliche nach seiner Erledigung
verlangt, und dadurch eben nach den Definitionen erst die „Theorien“
herausfordert, unter mancherlei helfenden Umständen. Dies aber klingt immer
schöner mit jenem laienhaften Eindruck zusammen. Wir machen es uns
freilich nicht klar, aber nur um so tiefer empfinden wir es als recht und billig,
daß mit diesem Kometenschweif von Definitionen und „Theorien“, den das
Wort schließlich nachschleppt, daß mit dieser ganzen „Lehre“ das wissen
schaftliche Denken jenem Wirklichen seinen schuldigen Tribut
zollt, das nun einmal durch dieses Wort sprachlich vertreten ist; dafür ist
uns die Alltäglichkeit Zeuge, die es ja wissen mußl
So ungefähr helfen sich bei der Behandlung jener Worte der National
ökonom und der Laie in uns gegenseitig aus. Was der Laie empfindet, es
bekräftigt das Streben des Nationalökonomen. Das verhilft zu innerlichem
Einklang, und verleiht uns jene glückliche Ruhe, die wir dann selbst über
Zuständen nicht verlieren, die außer der Nationalökonomie wohl keine zweite
Erfahrungswissenschaft aufweist 1 ).
*) Vgl. die Einleitung meiner oben erwähnten Schrift.