Full text : Wirtschaft als Leben

Ober  die  „Grundbegriffe“  VIII.

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Wort,  zum  Beispiel  „Wirtschaft“,  oder  „Wert“,  gar  nicht  als  solches
würdigt,  sondern  sofort  als  „Begriff“  anspricht  1  Es  sei  denn,  man
ginge  der  sprachlichen  Vergangenheit  dieser  Worte  nach,  ihrem  Lautwandel. ­
  Auf  sprachwissenschaftlichem  Gebiete  gilt  jener  Brauch  überhaupt ­
  nicht.  Es  liegt  nahe,  daß  der  Ausdruck  „Wort“  doch  wenigstens
dort  nicht  zu  kurz  kommt,  wo  er  von  der  Bedeutung  eines  Fachausdruckes ­
  ist.  Das  trifft  auch,  nur  wieder  in  einem  anderen  Geiste,  für
die  wissenschaftliche  Logik  immer  mehr  zu.
Gegenüber  einem  solchen  Lautgebilde,  wie  es  im  Schoße  der
lebenden  Sprache  aufwächst,  zugleich  mit  seinem  einfachen  oder  verwickelteren
  Verhältnisse  zu  unserem  Denken,  da  ist  eben  nur  die  Bezeichnung ­
  „Wort“  die  wirklich  harmlose,  die  in  nichts  vorgreift  und
unverbindlich  bleibt  für  alles  Eingehen  auf  den  näheren  Tatbestand.
Ganz  anders,  sobald  man  sich  jenem  Brauche  hingibt,  und  von  Haus
aus  von  einem  „Begriff  Wirtschaft“,  oder  von  dem  „Begriff  Wert“
spricht.  In  irgendeinem  Sinne  gewiß,  gleichviel  in  welchem,  hat  man
sich  durch  diese  Aussage  schon  dafür  verbunden,  wie  man  über  das
Verhältnis  denken  soll,  das  zwischen  dem  mitausgesagten  Worte  und
unserem  Denken  in  Geltung  steht.  Eine  Voreiligkeit  liegt  da  zweifellos
vor.  Ob  auch  ein  Fehler  in  der  Sache  vorliegt,  das  läßt  sich  nicht
ohne  weiteres  entscheiden,  und  soll  ganz  in  der  Schwebe  bleiben.
Man  darf  auch  nicht  glauben,  daß  ein  solcher  Brauch  harmlos  sei,
und  ohne  Folgen  bleibe,  weil  schon  die  Gewohnheit,  so  zu  reden,
allen  Nachdruck  auf  das  entscheidende  Wort  hintanhält.  An  diesem
Worte  selber,  „Begriff“,  da  hinge  allerdings  nichts;  ob  man  es  dem
anderen,  jenem  Worte,  über  dem  unser  Denken  nachsinnlich  verweilen
will,  voransetzt,  oder  nicht  voransetzt.  Soweit  ist  der  Name  Schall
und  Rauch.  Aber  dem  Worte  folgen  die  Gewohnheiten  unseres
Denkens.  Die  Auffassungen,  die  sich'  ihm  zu  verknüpfen  pflegen,  wo
es  ernst  genommen  wird,  vielleicht  als  Fachausdruck,  diese  Auffassungen
schleppt  es  auch  dorthin  nach,  wo  es  nur  in  der  Hingabe  an  einen
Sprachgebrauch  verwendet  wird.  Was  aber  schwerer  wiegt:  im  gegebenen ­
  Augenblicke  setzen  sich  diese  Auffassungen  in  Tat  uml  Dann
hat  man  gut  von  Schall  und  Rauch  sprechen,  die  Folgen  der  „bloßen
Nennung“  werden  bedenklich  greifbar.
Nur  im  Anstreifen  sei  daran  erinnert,  daß  dem  Ausdruck  „Begriff“
in  alle  seine  Verwendungen  das  Gebot  der  Definition  nachfolgt.
Wo  immer  die  Verhältnisse  bestehen,  die  man  bei  der  Begründung
dieses  Gebotes  im  Auge  hält,  ist  das  letztere  zweifellos  am  Platze.
Wenn  aber  das  auslösende  Wort,  „Begriff“,  blindlings  einschlägt,
in  der  blinden  Hingabe  an  eine  blinde  Sprachsitte  verwendet,  dann
            
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