Full text : Wirtschaft als Leben

Haushalten  und  Unternehmen,  VI.

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mehr,  um  dort  wieder  eine  andere  abzuschneiden;  er  wechselt  also
das  Bett,  vielleicht  sogar  das  Tal.  Das  stellt  sich  als  ein  Geschehen
für  sich  dar,  waltend  über  dem  stetigen  Strömen.  Mit  ihm  gerät
alles  in  Wandel  und  Bewegung,  was  dem  Strömen  gegenüber  das
Ständige  schien.  Von  Welle  zu  Welle,  von  Schwall  zu  Schwall
ändert  sich  scheinbar  nichts;  und  doch  tragen  sie  alle  ihr  Scherflein
dazu  bei,  bis  schließlich  jenes  andere  Geschehen  anhebt,  das  hier  der
Entwicklung  entspricht.
Wie  ist  uns  der  Fluß  nun  Eines?  Nicht  als  der  Inbegriff  der
Bedingungen  seines  Laufes,  nicht  als  sein  bloßes  Bett  —  das  letztere
wird  ihm  nur  notwendig  beigedacht  —  ebensowenig  aber  als  der  bloße
Inbegriff  der  durchströmenden  Wasser.  Der  Fluß  ist  uns  Eines,
weil  er  ein  Ganzes  darstellt,  zu  dem  sich  Teilzustände  vereinen:  der
„Lauf“  in  allen  Spielarten  seiner  Richtung  und  Geschwindigkeit,  die
„Stauungen“,  „Wirbel“,  „Fälle“.  Diese  Bruchstücke  fügen  sich  zur
Einheit  des  Flusses  zurecht,  weil  hier  dem  räumlichen  Nebeneinander,
der  Gestalt  des  Bodens,  das  zeitliche  Nacheinander  des  Strömens  zur
Seite  bleibt.  Soweit  ist  uns  der  Fluß  etwas  durch  und  durch  Zuständliches;
  nichts  als  ein  Gesamtzustand,  der  uns  für  jeden  beliebigen ­
  Zeitpunkt  zu  verharren  scheint.  Er  bleibt  uns  jedoch  das
Eine,  auch  wenn  mit  der  Zeit  jene  Teilzustände  wechseln.  Als  das
Nämliche  überdauert  er  also  auch  den  Wandel  im  Gesamtzustande.
Wie  er  die  stetige  Folge  seiner  eigenen  Zustände  ist,  erscheint  der
Fluß  auch  als  Träger  der  ihm  zugesprochenen  Entwicklung.
Hier  dreht  sich  die  Frage  offenbar  nicht  um  den  „Begriff  des
Flusses“,  sondern  um  die  Bedingungen,  unter  denen  er  uns  denkbar
ist.  Ich  suche  einfach  zu  entfalten,  wie  hier  unser  Denken  eine  Fülle
von  Naturgeschehen  in  Einen  Inhalt  schöpft;  wie  also  für  unser  Denken,
das  eitel  Zusammenhang  ist,  eine  Einheit  sich  gestaltet,  etwas  nämlich, ­
  das  sich  für  weiteren  Zusammenhang  in  die  Rolle  dessen  findet,
was  Zusammenhänge  also  „Prädikat“  werden  kann.  Jene  Einheit,  als
ein  Inhalt  unseres  Denkens,  ist  dann  eben  so  beschaffen,  daß  sie  in
einer  eigentümlichen  Weise  einem  Worte  sich  verknüpfen  kann;  sie
tut  es  auch  anders  dem  Worte  „Fluß“,  anders  dem  Worte  „Neckar“
—  Artbegriff  und  Sonderbegriff.  Da  und  dort  wird  dieser  Inhalt  gleichsam ­
  sprachflüssig;  er  wird  zur  „unvorgestellten  Wortbedeutung“.
In  dieser  Verfassung  schmiegt  er  sich  dem  kunstvollen  Reigen  der
Inhalte  ein,  die  an  der  Kette  eines  Sprachverlaufes,  eines  „Satzes“,
unser  Bewußtsein  durchschweben,  als  unser  ungehemmtes,  sich  selber
überlassenes  Denken.
Aber  vergessen  wir  nicht,  daß  uns  der  Fluß  auch  etwas  An  sch  au-
            
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