Full text : Wirtschaft als Leben

Haushalten  und  Unternehmen,  XI.

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hält,  kann  man  sich  an  etwas  anderem  klarmachen:  daran,  daß  gerade
die  „nicht-einklagbaren“  Schulden,  als  „Ehrenschulden“,  ihrer  Tilgung
am  sichersten  sind  1  Den  zarter  gesponnenen  Netzen,  wenn  ihre  Fäden
nur  recht  tief  einwurzeln,  entschlüpft  man  am  allerletzten.
So  gilt  es  überhaupt  von  der  Wiederkehr  im  Handeln,  daß  sie
ihre  tiefsten  Wurzeln  in  jene  Wechselbeziehung  einsenkt,  die  zwischen
Handeln  und  Empfinden  rastlos  hin  und  wieder  schießt.  Hier  ungefähi
wäre  der  Anlaß,  im  umfassendsten,  und  zugleich  doch  in  einem  tiefsten
Sinne  von  „Gewohnheit“  zu  sprechen.  Die  Nationalökonomie,  die
selber  der  Gewohnheit  erlegen  war,  alles  auf  „Güter“  zu  beziehen,
spricht  da  lieber  von  „Bedürfnissen“,  nach  deren  Erklärung  hin  sie  die
„Gewohnheit“  verweist.  „Bedürfnis“,  „Wert“,  „Gut“,  das  war  so  die
dreizinkige  Wortgabel,  mit  der  alleinig  in  den  intimeren  Hergängen
des  Handelns  gestochert  wurde.  Will  man,  außer  Not  und  Macht,  um
jeden  Preis  ein  weiteres  Grundverhältnis  des  Handelns  aufzählen,  dann
ist  es  „Gewohnheit“.
Zur  Wiederkehr  aber  trägt  in  löblichem  Eifer  unsere  Scheu  bei,
gar  zu  viel  über  neuen  schöpferischen  Begriffen  zu  sinnen;  das  will
sagen,  nach  der  Lehre  des  Handelns  die  alten  weiterzubilden.  Die
gewisse  Eigenheit  unseres  Denkens,  durch  die  es  im  Bereiche  der
Erkenntnis  dem  Worte  überliefert  wird,  sie  prägt  sich  in  urwüchsiger
Derbheit  schon  im  lebendigen  Denken  aus.  Man  hält  sich  vergnügt ­
  in  den  ausgefahrenen  Geleisen,  solange  die  Fahrt  nicht  allzu
holperig  geht.  Im  grünen  Leben  hat  der  Schlendrian  auch  vielfach
sein  Gutes.  Es  gilt  nur  in  Sachen  der  Erkenntnis,  daß
selbst  der  magerste  Prozeß  immer  noch  besser  ist  als
der  fetteste  Vergleich;  auf  Kosten  der  Erkenntnis  wäre  das  dann
stets  ein  Pakt  mit  lieben  Worten:  „Tu’  mir  nichts,  ich  tu’  dir  nichts  1“.
Nur  einer  falschverstandenen  Sorge  wird  man  auch  hier  den
wohlverstandenen  Schlendrian  vorziehen.  Nehmen  wir  z.  B.  die  Sorge
um  jenes  „Requisit“,  das  sich  im  Wortg  ebrauche  spiegelt.  Da
hat  das  wissenschaftliche  Denken  wohl  die  Aufgabe,  ausgefahrene  Geleise ­
  durch  selbstgelegte  Schienen  zu  ersetzen,  auf  dem  Amboß
zurüstender  Forschung  rnit  wuchtigen  Schlägen  der  Kritik  geschmiedet.
Aber  was  will  man  inzwischen  an  den  ausgefahrenen  Geleisen,  statt
sie  getrost  einzuhalten,  noch  bessern  und  bosseln  —  sie  etwa  mit
Blech  ausfüttern  f
Mit  der  Wieder  kehr  im  Handeln  muß  das  lebendige  Denken
genau  so  rechnen,  wie  mit  der  Not  und  mit  der  Macht.  Auch  dazu
wird  es  vom  Handeln  selbst  erzogen.  Es  muß  ja  erst  der  Rückschau
fähig  sein,  ehe  es  die  Wiederkehr  erfassen  kann.  Das  blinde  Festhalten
            
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