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,Die Herrschaft des Wortes“,
offen, wie wir Gebilde denken; man rechne die Umformungen, die
auf der Grundlage der Gliederung unser gestaltender Geist vornimmt,
stets noch hinzu. Nun, da wir den Inhalt der Allbedingnis mit den
Formeln aussprechen, einmal als ein Austrag zwischen Wiederkehr und
Macht, dann zwischen Wiederkehr und Not, wird uns die Gliederung,
die hier eine Einheit des Handelns begründet, erst recht verständlich.
Damit erhellt also, warum wir diese Gebilde denken; was das gleiche
sagen will, warum Geschehen in solcher Einheit erlebt wird. Man
darf diese Gebilde gleichsam als eine Aufzucht unseres Mutter
witzes ansehen; jedoch nur, um sich klarzubleiben, in welchem
Sinne hier unser Denken nichts Vorgegebenes vor sich sieht. Zweifellos
ist ein Recht da, von „schöpferischen Begriffen“ zu reden, die sich in
den einzelnen dieser Gebilde ausleben. In allgemeiner Hinsicht
aber darf man nicht übersehen, daß unser Denken für den Teil
dieser Gebilde in starre Bedingungen eingeengt istl Auch
diese Höchstgebilde stehen in der Gewalt, ihrer allgemeinsten Art
nach aber stehen auch sie nicht im Belieben unseres Denkens. In
welchem Sinne das letztere an Bedingungen gebunden ist, das kommt
mittelbar gerade mit unseren Formeln zum Ausdruck.
Anmerkung: Wie schon früher, ist auch hier die Tatsache gestreift,
daß solche Gebilde selbst dem vorschauenden Denken ein Gegebenes
sind, daß sie selbst für das am Erleben beteiligte Denken gesetzt er
scheinen; näher wüßte ich dies auch an dieser Stelle nicht auszuführen. Es
sind ja alle Ansätze, die in dieser Richtung gehen, nur durch ein Denken
minderer Strenge dargeboten; ein Denken, das bloß mit Rohbegriffen,
„Macht“, „Not“, „Wiederkehr“, arbeitet. Da läßt sich ein Gedanke schwer
fortspinnen, der in die heikelsten Verwicklungen eindringen müßte. Ich
wage nur den Hinweis, daß auch die Logik — hier als Erkenntnis unseres
Gedanken-Alltags genommen — wenn sie den starren Bedingungen nachgeht,
in die unser Denken bei seiner Bewegung eingeengt ist, nie vor etwas anderem
steht, als vor der Welt der Erlebungen! „Schlüsse“, „Axiome“ usw.
sind vom Boden der bloßen Empfindungen aus, die man aus der Gedanken
bewegung im Walten der Abstraktion auslösen kann, einfach ungreifbar.
Es spukt hier die Frage, ob man auch von einem „Parallelismus der Er
lebungen“ reden müßte. Da wäre im voraus nur Eines klar, angesichts des
fundamentalen Abstandes zwischen Erlebung und Erscheinung: Zum „Paralle
lismus der Erscheinungen“ bestünde kaum mehr als eine Namensverwandt-
schaft. Was dem Einen billig, müßte dem Anderen durchaus nicht recht
sein. Es könnte sich in jener Richtung z. B. gleichsam um eine Gabel
handeln, deren Griff das Ich in der Hand behielte, auch wenn das Erleben