Full text: Wirtschaft als Leben

230 
„Die Herrschaft des Wortes“, 
sagen zu können. Der Laie wüßte es nicht, daß man die Erkenntnis des 
Alltages zu fördern glaubt, indem man den letzten Sprach wurzeln jener ge 
heiligten Worte nachgräbt, über die alle Theorie ihren Weg nimmt; jener 
Worte, die draußen die abgehetzten Diener des urwüchsigen Denkens sind, 
während ihnen das theoretische Denken Altäre baut. Diese Verhältnisse 
muß man würdigen, um einzusehen, wie not da ein Aderlaß an Theorie 
tut, bei der die Wissenschaft nur schwammiges Wortwissen ansetzt, und an 
dem unheilbaren Übel des Wortstreites siecht. Gilt dies auch nur für die 
engen Bereiche der Theorie selber, um so schlimmer, wenn sie alle Fühlung 
mit dem eigentlichen Forschen verlieren muß, das aus gesundem Instinkt 
davor bewahrt bleibt, von diesen Erbaulichkeiten Notiz zu nehmen. Im End 
erfolge steht dann neben einem Generalstab, dem das Heer fehlt, ein Heer 
ohne Generalstab. 
Ich rede über diese fatalen Dinge um so unverhohlener, als ich ja selbst 
eine „werttheoretische“ Vergangenheit zu beklagen habe. Was aber jene 
Erörterungen anlangt, die in ihrer Kleinlichkeit so lang geworden sind, daß 
ich sie verlängern mußte, so haben auch sie der Sache gedient. Ich habe 
damit das Nötigste über die beiden Formeln auf jenem Umwege gesagt, daß 
man überhaupt nur vom Worte abzurücken braucht, um der Sache nahe 
zukommen. Das ist das Gegenstück zu dem Wahne, daß man die Sache 
erfaßt, wenn man das Wort umarmt. Man könnte da von einer „philo 
logischen“ Klippe des nationalökonomischen Denkens reden, wenn es nicht 
die juristische wäre. 
Die rechte Bezeichnung für die Formel X leitet sich aus dem 
Namen jener Gebilde her, die wir ganz besonders im Geiste dieser 
Formel denken: „Haushaltung“, „Hauswesen“. Hier sind die „ge 
sellschaftlichen“ Zusammenhänge meist viel zu einfach, um der 
Gliederung von der Macht her zu gedenken: „Familie“! Auch 
zeichnen sich Gebilde dieser niedersten Schicht durch die vergleichs 
weise größte Buntheit in den Streben aus, die in ihrem Geschehen 
atmen. So kommt kein einzelnes Streben dazu, ihre Struktur so 
entschieden zu beeinflussen, daß unser geistiger Blick abgelenkt würde 
von jenem Ausgleich unter Dauerstreben, der uns bei diesen 
Gebilden als das Rückgrat erscheint. Nur der eine „Zweck“, der 
auch für das Anschauliche dieser Gebilde das große Wort führt, prägt 
sich im Namen aus. Deshalb sei die Formel X Haushalten genannt. 
Wie sich das Zuständliche Gebilde von der Macht her gesehen als 
Gesellung darstellt, so von der Not her als Haushalt. 
Haushalten und Gesellen sind die höheren Formeln, mit denen 
das offene Geheimnis der Allbedungenheit ausgeplaudert ist, die allen
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.