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»Die Herrschaft des Wortes“,
XVIII.
Die Lösung unseres Problems läge nun vor; nur als ein roher
Versuch. Wenn ich Dies nochmals betone, will ich nicht um Nachsicht
werben. Fühlbar genug war der Rahmen zu eng, um jener Sache
überallhin auf der Spur zu bleiben, für die unser Problem nur als
Sturmbock diente. Wie sich über die Mängel seiner Lösung das
Problem hinaushebt, so reckt sich über dieses noch dieForderung
empor, von Problemen auszugehen, statt von Worten! Eine
Forderung, die für unsere Wissenschaft wie für keine zweite herrisch
ist. Gerade für sie, bei der aus zwingendsten Gründen das Wort im
Anfang stehen mußte! Gerade für sie, bei der es am wenigsten so bleiben
dürfte! Solange ihr Denken am Gängelband der Worte ist, steht ihre
Denkweise im Banne der urwüchsigen; es hält sie der Geist des
Handelns umfangen, ihres eigensten Stoffes. Über Diesen fehlt ihr
die volle Herrschaft, die zu erringen nur Eines verbürgt: Freiheit
vom Worte!
Anmerkung: Es gilt auch ganz im allgemeinen, daß man auf hören
soll, stets nur um die Ecke des Wortes nach Erkenntnis zu schielen. Im
einzelnen Fall mag das Ergebnis ein noch so erfreuliches sein, kommt es in
schwächere Hände, wird doch wieder nur Wörterei daraus. Und mit jedem
Worte, dem sich unser Denken beugt, lasten Vorurteile auf ihm. Ungewußte
Voraussetzungen schleichen sich ein, die alleinig das Starre sind, während
um sie herum die Gedanken ruhelos wirbeln. Wenn es nicht Hochtrab auf
einer ach so lahmgerittenen Wendung wäre, man könnte wahrhaftig sagen:
Das offene Dogma sind wir glücklich los, aber das Dogmatische ist uns
geblieben — verhüllt hinter den auserlesenen Worten, nach deren Pfeife alle
Theorie tanzt 1
Seinen lebendigen Inhalt hat unser Denken gefunden; dafür sind wir
in der Schuld der Forschung: So möge auch das theoretische Denken
nach dem Geheiße dieses Inhaltes sich bewegen. Auch da soll nicht mehr
Selbstzweck sein, weder im Sinne des Schlüsselwortes, noch des Leitwortes,
was doch nur ein armselig Mittel zum Zweck ist. Betrübend genug, daß wir
auf das Wort angewiesen bleiben, weil uns elegantere Mittel der Gedanken
bewegung versagt sind; auf viel zu unabsehbare Zeit hinaus, um auch dorthin
auszublicken. Immerhin, sie sind nicht mehr zum Spielen da, zum fort
währenden An- und Ausziehen, Lösen und Verschnüren der Riemchen,
sondern doch schon zum Gehen, diese lästigen Kinderschuhe unseres
Denkens, die Worte!