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Begleitwort.
kümmern I Er sieht sich nun einmal gezwungen, seine Sachen selber
ins Reine zu bringen; der Philosophie verdankt er die Anregung dazu,
aber mehr kann sie ihm nicht bieten. So darf es ihm genügen, daß
er die Selbstbesinnung bis zu dieser Stelle vorzutreiben vermag; er
gewinnt damit gleich von Grund aus Klarheit, wie man sich beim
fachwissenschaftlichen Denken zu verhalten hat und wohinaus der Weg
der Erkenntnis geht. Anspruchslose Philosophie dieser Art, nur für
den Hausgebrauch eines Faches bestimmt, scheint hier durchaus am
Platze. Vor dem Philosophen von Fach, der es zu seinem besonderen
Fache macht, über andere Fächer nachzudenken, hat der Fachwissen
schaftler doch einiges voraus. Er allein weiß, wo ihn als Forscher der
Schuh drückt. Auf der anderen Seite hält ihn stets das Bewußtsein in
scharfer Spannung, daß er alle Theorie der Erkenntnis durch praktische
Tat des Erkennens zu verantworten hat. Das System einer rein philo
sophischen Wissenschaftslehre — in diesem pragmatischen Sinne —
bleibt stehen, selbst wenn es ins Blaue gebaut wäre. Der Fachwissen
schaftler, wenn er von einer neuen Grundauffassung her ans Werk
schreitet, setzt sich einer erbarmungslosen Kritik aus, gleich dem In
genieur, dem die nach fehlerhaften Grundsätzen gebaute Brücke ein
fach einstürzt. Ganz so schlimm ist es zwar bei der Fachwissenschaft
nicht, besonders, wenn sie eingefahrene Geleise einhält. Hier lösen
sich selbst krasse Widersprüche, eben die zwischen der überkommenen
Auffassung und dem wirklichen Tun, oft in der einfachsten Weise:
im Wege der glücklichen Inkonsequenzen 1 Man verkündet z. B. die
„Gesetze der Volkswirtschaft“ vorzulegen; aber was man wirklich zu
standebringt, ist doch nur eine Aufrollung des Allzusammenhangs ein
schlägigen Sinnes, ob nun mehr oder minder gelungen. Im wohl
tuenden Gegensatz dazu ist Selbstbesinnung ein Gebot der wissen
schaftlichen Ehrlichkeit 1
Das Zusammenspiel der logischen Kennzeichnung im ersten, der
erkenntniskritischen im zweiten Artikel, liefert immer noch nicht das
volle Verständnis der sozial wissenschaftlichen Erkenntnis. Ihre Eigen
art liegt damit erst im Rohguß vor. Die letzten Feinheiten arbeitet
an ihr erst der Abgleich heraus zwischen Sozial- und Geschichtswissen
schaft. Für beide Wissenschaften läuft das Erkennen weithin parallel,
dennoch heben sie sich deutlich voneinander ab, als zwei getrennte
Möglichkeiten der Erkenntnis. Der „Stoff“, den beide Wissenschaften
gemein haben, ist gleichbedeutend mit einer besonderen Einstellung
des erfahrenden Denkens auf die empirische Wirklichkeit. Als
„Stoff“ vergegenständlicht sich je ein besonderer Weg der Erfahrung,
und zwar in Gestalt dessen, was auf diesem Wege zum Erfahrbaren