Ausblicke, I.
245
Individualität kommt. Der wesentliche Unterschied bleibt hier der, daß
sich das Treiben des „klügsten“ Hundes nicht schon nach dem Vor
bilde unseres eigenen Handelns durchschauen läßt, sondern stets nur
kraft einer denkenden Beobachtung dieses Treibens; hier gilt
es nicht Mitleben, sondern „Einleben“. Die Narrheit aber ist uns nicht
eine fremde Gleichung des Zusammenhanges, sondern ein Rechen
fehler! Der Narr hat nicht die Halbperson des Hundes, bezogen auf
das Geschehen; er ist uns um so erschütternder Unperson, als ja
das Anschauliche den Umsturz nicht annähernd so grell mitmacht.
Die spezifischen Änderungen, auf die uns erst die naturwissen
schaftliche Erkenntnis hinlenkt, indem sie etwa auch diesen Rechen
fehler des Handelns zum „Parallelismus der Erscheinungen“ zerfällt,
kommen ja für jene Eindrücke nicht in Betracht.
Dem Handeln im Verbände dieser Einheit, un Rahmen d
persönlichen Lebens, diesem Handeln sind D * te ' m |“ . .
ur eigen, die vor allem auch mit der ewigen Wechselbezieh g
zwischen Handeln und Empfinden zu tun haben. In ihrer
geschlossenen Einheit begründen sie die Persönlichkeit, ie
vidualität. An dieser determinierenden Einheit, an der Persönlichkeit,
bauen vor allem seelische Determinanten, die an dem Erdulden
hängen, an der Rückstrahlung des Handelns, wie auch seiner er-
flechtung mit dem fremden Handeln, auf das Ich. Individualität un^
Schicksal sind untrennbar miteinander verflochten. Die „Person
gehört eben im wesentlichsten Sinne der Welt des Handelns an. Aller
zerfallenden Erkenntnis, aller „empirisch-psychologischen“ Betrachtung,
is t die Individualität genau so schlankweg ungreifbar, wie unser
Schicksal! Hier könnte nur jene „Psychologie“ frommen, die sic
läuternd über unsere Menschenkenntnis“ hinaushebt; eine Wissen
schaft, die mit dem Blick auf die Welt des Handelns ebenfalls nicht
unter, sondern über einer „Gesetzeswissenschaft“ steht, aber auch
keine reine Erfahrungswissenschaft ist, weil sie ihre Erkenntnis ^
H aus aus einem fremden, und ausgesprochen einem „praktischen
Gesichtspunkte botmäßig macht. Wenn sie Individualitäten durch-
ordnet, oder jene gewisse Wechselbeziehung besinnlich uberdenkt,, so
sie dem Handeln selber dienen; mittelbar dann auch seiner
eigentlichen Erkenntnis den „Aktionswissenschaften“. Diese Wissen
schaft zehrt von den Ergebnissen der Historie und Nationalökonomie;
nicht diese setzen sie voraus, sondern umgekehrt. Denn die Läuterung
der »Menschenkenntnis“ ist nur in den Spuren der Wissenschaften
möglich, die dem Schicksalszuge folgen. Aber weil jene Wissenschaften
lhr Wer k im rühmlichsten Sinne nie zu Ende führen, deshalb käme