Ausblicke, V.
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so unmöglich, wie dem Zeichner eine Nachgestaltung des körperlichen
Gebildes selber.
Man darf diese beiden Spielarten unzerfällender Erkenntnis nicht
mit ihren Voraussetzungen verwechseln. Die Eine setzt voraus,
daß wir das erlebte Geschehen so zu denken vermögen, wie es erlebt
wird. Die Andere setzt voraus, daß wir das erlebte Geschehen als Zu
stand und Entwicklung denken können, in diesen Formen bloßen
Wissens von ihm. Sagt man aber da und dort das Gedachte in
Worten aus, dann ergibt sich dort der Bericht über das erlebte Ge
schehen, hier aber die Schilderung von Zustand und Entwicklung!
Diese Trennung ist abermals nicht mit den Worten „Bericht“ und
»Schilderung“ gegeben, sie schmiegt sich vielmehr dem ganzen Ge
dankengange ein. Auch da wäre es in Grund und Boden verfehlt, in
den nennenden Worten nach der Sache zu klügeln, oder gar aus
'hrem Namen gegen die Sache zu argumentieren. Genug, wenn die
Nennung nicht gegen das Sprachgefühl verstößt; jene scholastischen
Unarten aber muß man endlich einmal ablegen. Die Worte sind für
unser Denken da, aber unser Denken nicht für die Worte.
Wo immer wir dem Erlebten durch seine Aussage nacheifern, da
|st ein Wechsel zwischen Bericht und Schilderung nicht bloß möglich,
ls zu einem gewissen Grade ist er einfach notwendig. Der Bericht
über ein Geschehen in seiner Erlebtheit, über grünes Handeln, drängt
ru er oder später dazu, den Hintergrund der bedingenden Zustände
und Entwicklungen zu schildern. Die Schilderung aber von Zuständen
und Entwicklungen, zu denen erlebtes Geschehen vor unserem Denken
gerinnt, sie leitet schließlich doch auf einen Bericht über grünes Handeln
ln , das irgendwie in Wiederkehr und Gliederung eingegriffen hat.
? helfen Bericht und Schilderung einander stetig aus, wo immer über
le Welt des Handelns nachschöpferisch auszusagen ist. Sie gleichen
a rin den Messern einer Schere.
Es gilt daher keineswegs von den Wissenschaften, denen je eine
pielart der unzerfällenden Erkenntnis zum Lebensnerv wird, daß die
e me nur durch Berichten, die andere nur durch Schildern ihre Auf-
. e er füllt. Dennoch wird man die eine als die b e r i c h t e n d e kenn
zeichnen dürfen; obwohl sie ihren Bericht fortwährend durch Schilde
rungen unterbricht, und um so mehr, je vollkommener sie ihren Be-
n * C t liefern will. Die andere wird man umgekehrt die schildernde
«inen dürfen, wenn sie auch ihre Schilderung fortwährend mit Be-
um d" 1 1 i ntermischt ’ oder doch auf Berichte sich beziehen muß; einfach,
ie childerung selber vollkommener zu machen. Das wesentliche
ergewicht des Berichtes dort, der Schilderung hier, hängt mit der