fullscreen: Die Eisenindustrie in Südrußland

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Von diesen beiden Ziffern abgesehen, müssen wir konstatieren, 
daß die Leistungsfähigkeit der Bergarbeiter nicht besonders hoch 
stehen kann, und zwar erstens deswegen, weil hier immer ein gewisser 
Prozentsatz der nicht ständigen Arbeiter sich befindet, oder solcher 
die noch kurz zuvor in ganz anderen Arbeitsverhältnissen sich befanden, 
wie Bauern usw. Eine andere Ursache sind die oft kläglichen Löhne 
und ein langer Arbeitstag. 
Eine bedeutend größere Leistung sehen wir bei den qualifizierten 
Arbeiten in den Eisenwerken. Schon Lauwick stellte fest, daß die 
russischen Arbeiter sehr oft erfolgreich mit den ausländischen kon 
kurrieren. Das hängt von zwei Umständen ab. Einerseits arbeiten 
sie billiger, andererseits gibt ihnen der Aufenthalt in den Werken 
nach ihrer. Schulzeit die Möglichkeit, gleich gut die verschiedenen 
Arbeitern zu verrichten. Folgende Tabelle veranschaulicht die durch 
schnittliche Jahresleistung der Arbeiter auf dem Dniepr-Werk 1 : 
Jahr 
Durchschnittliche Leistung 
eines Arbeiters 
in Rubel 
in Pud 
1889/90 
1,062 
1.669 
1890/91 
1.279 
2,299 
1891/92 
1,196 
2,207 
1892/93 
1.230 
2,336 
1893/94 
1.257 
2,412 
1894/95 
1,567 
2,424 
Hier haben die Verbesserungen in der Betriebsorganisation eine 
große Bedeutung gehabt, sodaß die Tabelle uns eigentlich mehr ein 
Bild von der Arbeitsproduktivität, als den Leistungen der Arbeiter 
gibt. Jedenfalls müssen auch die letzteren sich der verbesserten 
Organisation des Arbeitsprozesses anpassen. 
Die Arbeitszeit ist überhaupt sehr lang. Nach dem Gesetz vom 
Jahre 1897 ist in Bußland die Maximalarbeitszeit für die gewerb 
lichen Unternehmungen auf ll 1 / 2 Stunden festgesetzt. Dies Gesetz 
läßt sich aber sehr leicht umgehen. Wir führen eine Stelle aus dem 
Buche von Paschitno w an über die Dauer der Arbeit in den Kohlen 
gruben: „. . . in Südrußland findet die Nachtarbeit ganz systematisch 
in allen Gruben statt. • Die Arbeit ist in zwei Schichten eingeteilt, 
von 6 Uhr morgens bis 6 Uhr abends und umgekehrt 1 2 “. Das ist 
also ein zwölfstündiger Arbeitstag. Besonders grausame Verhältnisse 
herrschten in früheren Zeiten. So lesen wir im statistischen Sammol- 
buch des Gouvernements Jekaterinoslaw, das vom S ernst wo im 
Jahre 1886 herausgegeben worden ist: „Für die Bauern ist die Gruben 
arbeit, an die sie nicht gewöhnt sind, äußerst erschöpfend. Eine zwölf- 
1 Brandt, a. a. 0., S. 99. 
2 Paschitnow, a. a. 0., S. 175.
	        
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