Ausblicke, VI.
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über das Werk. Diesen Gesichtspunkt kann sich die Kunstgeschichte
nicht selber setzen. In der Tat übernimmt sie ihn von der Ästhetik;
ganz ähnlich, wie die Rechtsgeschichte den ihrigen von der Jurisprudenz
entlehnt. Man sieht auch, daß sich so wurzelfremde Einheiten — Einheiten
der Erkenntnis im Nacheifern der Welt des Handelns nicht
„addieren“ ließen. Freilich müssen auch diese Wissenschaften dem
All-Bezug Rechnung tragen. Jede weitet sich ganz von selber so aus,
wie es für den Fall der berichtenden Wissenschaft angedeutet wurde.
Keine von diesen Wissenschaften könnte aber die schildernde oder
berichtende Wissenschaft entbehrlich machen, sie gleichsam von der
Seite her unterlaufen; und wenn sie noch so sehr dem All-Bezug nacheifert.
Oder sie müßte einfach ihr Rückgrat vertauschen, auf ihre
Selbständigkeit verzichten, um entweder in der Historie oder in der
Nationalökonomie aufzugehen. Ihre Sonderheit hängt eben wesentlich
an dem fremden Gesichtspunkt, der von Haus aus der Erledigung
der Welt des Handelns sich aufzwingt.
Mit diesen Ausflügen wollte ich den Satz etwas erläutern, daß nur
die berichtende und die schildernde Wissenschaft gegenüber der Welt
des Handelns echte Erfahrungswissenschaften seien. Weil aber Erfahren
mit dem Erleben in eins fällt, und dieses Erleben das Handeln
betrifft, so erscheinen jene Schwestern zugleich als die einzigen
„Aktionswissenschaften“. Sie allein werden dem Reiche der Tat rein
um seiner selbst willen gerecht; sie allein packen das erlebte Geschehen
als solches, in seiner All-Einheit. Die anderen suchen nur darin
herum, wie es in ihren Kram paßt, ihren abgesonderten Einheiten sich
einfügt. Als Mensch aber, der mit seinem Schicksal dem Einen und
großen Gewebe verflochten ist, gilt mein erstes Interesse schlechthin
dem, „was geschehen ist, und wie es sich zugetragen hat“.
So ein bißchen sollte auch ein Streiflicht auf die liebe Gewohnheit
der Schlüsselworte fallen. In je friedlicherem Nebeneinander man
da „Gebiete“ denkt, „Staat“, „Wirtschaft“, „Gesellschaft“, „Recht“,
„Kunst“, „Sitte“, „Kultur“ usw., Kraut und Rüben hübsch durcheinander,
desto einfacher muß die Teilung der Welt des Handelns unter
ihre Wissenschaften erscheinen! Dann fehlt eben nur, daß man auch
den gemeinsamen Stoff noch verkennt und sich die Welt des Handelns
etwa als eine gemütliche Ecke im Hause der „Allmutter Natur“ vorstellt.
Dann ist das Fächerwerk der Wissenschaften so furchtbar
einfach, wie es nur der große Gedankensparer, das Wort, zu drechseln
vermag.