Full text : Wirtschaft als Leben

28o

,Die  Herrschaft  des  Wortes“,

waltet,  desto  schwieriger  fällt  natürlich  die  reinliche  Scheidung.  Ich
greife  den  einfacheren  Fall  der  Kunstgeschichte  heraus.  Diese
interessiert  sich  zum  Beispiel,  sagen  wir,  für  die  „Entstehung  eines
Gemäldes“.  Hinter  diesem  „Vorgang“  verbirgt  sich  erlebtes  Geschehen.
Das  letztere  knüpft  sich  nicht  minder  dem  großen  Gewebe  ein,  hat
an  dem  Spiel  der  Zusammenhänge  teil.  Seine  Zusammenhänge  bieten
auf  jeden  Fall  eine  Handhabe  dazu,  um  auch  dieses  Geschehen  der
Bewältigung  nach  Zustand  und  Entwicklung  anheimfallen  zu  lassen.
Was  da  vorgeht,  wird  zum  Beispiel  sicherlich  irgendwie  von  Zuständlichen
  Gebilden  in  sich  geschluckt;  der  Künstler  kann  Familienvater,
Geschäftsmann,  Zünftler,  Bürger  sein.  Aber  dahinaus  geht  das  Interesse
der  Kunstgeschichte  nicht;  mit  der  Abkehr  von  allem,  was  „alltäglich“
ist,  sagt  man  dann  etwa:  die  „wirtschaftliche  Seite“,  oder  die  „gesellschaftliche ­
  Seite“  ist  wohl  da,  wird  aber  nicht  beachtet;  eher  noch  die
„technische  Seite“.  So  ist  es  ständiglich:  die  Unterschiede,  die  im
Grunde  nur  in  unserem  rückschau  enden  Denken  da  sind,  die  werfen
wir  nach  außen,  in  das  Überdachte,  und  nehmen  sie  von  dort  her  als
„Seiten“  und  „Gebiete“  zurück.  Ähnlich  mag  es  von  jenem  „Vorgang“ ­
  auch  heißen,  daß  ihm  die  „politische  Seite“  fehle.  Das  will
sagen,  vor  jener  Auslese,  an  die  sich  die  berichtende  Wissenschaft
halten  muß,  fände  jenes  Geschehen  keine  Gnade;  oder  es  müßte  von
ungefähr  doch  ein  dickerer  Strang  des  Allzusammenhanges  darüber
hinlaufen,  was  am  greifbarsten  bei  einer  „politischen  Karikatur“  zuträfe. ­
  Sonst  wären  diese  „Vorgänge“,  und  selbst  vom  Boden  der  Vollgeschichte ­
  aus,  nur  mehr  im  Zuständlichen  erfaßlich.  Aber  vor  jener
Auslese  findet  das  Geschehen  Gnade,  die  von  der  Kunstgeschichte  in
eigener  Sache  vorgenommen  wird.  In  diesem  Sinne  spricht  man  eben
von  einem  bestimmten  „Gebiete“,  das  sich  die  Kunstgeschichte  vorbehält. ­
  Auch  hier  ist  es  zweifellos  auf  einen  einheitlichen  Zusammenhang ­
  gemünzt;  auch  hier  soll  Allbedungenheit  entfaltet
werden.  Zu  jener  Einsicht  verschlingt  sich  aber  das  Geschehen  nicht
um  seiner  selbst  willen,  und  auch  seine  Zusammenhänge  fallen  erst  in
zweiter  Linie  in  Betracht.  Denn  für  diese  Betrachtung  ist  nicht  das
Geschehen  selber  das  Primäre,  sondern  sein  für  sich  betrachteter  Erfolg, ­
  das  Werk:  ein  Wort,  das  in  solcher  Bedeutung  weit  über  diesen
einzelnen  Fall  hinaus  gilt,  für  den  es  zufällig  besonders  gut  stimmt.
Wenn  es  zu  jener  besonderen  Auslese,  zum  Streben  nach  dieser  Einheit ­
  für  sich  kommt,  so  hängt  dies  an  einem  Gesichtspunkte,  der
von  Haus  aus  zur  Erledigung  der  Welt  des  Handelns  hinzutritt.
Dieser  Gesichtspunkt  ist  nicht  aus  der  Erledigung  selber  entsprungen;
er  hat  mit  dem  Geschehen  nichts  zu  tun,  sondern  mit  Urteilen
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.